Eilern, Junges Dorf - Uralt

Die Neusiedlung

An der Landstraße 744 von Fürstenberg nach Dalheim/Lichtenau befindet sich nach knapp 3,5 km ein Abzweig, über den nach einem weiteren Kilometer in nordwestlicher Richtung die Siedlung Eilern erreicht wird. Eilern liegt wie das benachbarte Friedrichsgrund unterhalb des Eilerberg. Diese durch den Wechsel geologischer Schichten bedingte markante Geländestufe der Paderborner Hochfläche überragt die Ansiedlung um 50 m.

Das ehemalige Gut Eilern stellte Graf Friedrich Carl von Westphalen im Jahre 1950 zusammen mit dem Vorwerk Friedrichsgrund für Siedlungszwecke im Rahmen der Bodenreform der Siedlungsgesellschaft Deutsche Bauernsiedlung zur Verfügung. Bei der Bodenreform stand in Westdeutschland einerseits das Motiv der sozialen Eingliederung der aus dem Osten Deutschlands vertriebenen Bauern, andererseits das Ziel der wirtschaftlichen und sozialen Existenzsicherung möglichst vieler bäuerlicher Familien im Vordergrund. Ein weiteres politisches Ziel der britischen Militärregierung war in den ersten Nachkriegsjahren die Beschneidung der Macht des Großgrundbesitzes gewesen. Graf Westphalen gab sein Gut gegen eine Entschädigung von 357.000 DM auf. Damit unterschied sich die Bodenreform im Westen deutlich von der Zwangsenteignung im Osten.

Das Gruppensiedlungsverfahren Eilern und Friedrichsgrund wurde nach dem Gesetz über Rentengüter von 1890, nach dem Reichssiedlungsgesetz von 1919 und dem Gesetz über die Durchführung der Bodenreform in NRW von 1949 unter Einschaltung gemeinnütziger Siedlungsgesellschaften abgewickelt. Im Bereich des Kulturamtes Warburg gehörte das Verfahren Eilern/Friedrichsgrund mit schließlich 277,85 ha Fläche für 15 Vollerwerbsstellen, eine Schäferstelle, eine Nebenerwerbsstelle für den Schmied, eine Handwerkerstelle mit Nebenerwerb für den Stellmacher, eine Stelle für Bäckerei und Kolonialwaren und zwei Landarbeiterstellen zu einer der größten Siedlungsmaßnahmen.

Die Siedlungsbehörden stellten zunächst in einem Gutachten die Besiedlungsfähigkeit des Gutes Eilern und seines Vorwerks Friedrichsgrund fest. Die Grundfläche gehörte zu den Gemarkungen Fürstenberg, Dalheim, Helmern und Meerhof. Die in der Gemarkung Helmern nordwestlich des Vorwerks Friedrichsgrund liegenden bewaldeten Flurstücke schloss man aus dem Siedlungsverfahren aus und beließ sie im Besitz Graf Westphalens.

Als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen führte die Deutsche Bauernsiedlung, Düsseldorf, mit einem Vertreter des Grafen von Westphalen die Verhandlungen über den Ankauf des Gutes. Der Kaufvertrag wurde am 14.6.1950 zwischen beiden Parteien abgeschlossen. Damit war die Aufsiedlung eingeleitet. Mit zum Verkaufsobjekt gehörten die Gebäude und baulichen Anlagen, die zu erwartende Ernte sowie lebendes und totes Inventar. Der Kaufpreis für die Grundstücke, einschließlich der sich darauf befindenden Gebäude und baulichen Anlagen, betrug nach dem steuerlich geltenden Geldwert 1.100 DM pro Hektar.

Übernommenes Inventar

Lebendes Inventar Wert

Pferde, 20 Stück 12.450 DM

Rindvieh, 32 Kühe, 20 Rinder 49.800 DM

Schweinebestand 4.950 DM

Geflügelbestand 250 DM

67.450 DM

 

Totes Inventar

Maschinen und Geräte 29.066 DM

Naturalien 28.789 DM

Düngemittel 4.740 DM

Holz und Zäune 5.721 DM

Feldbestellung 29.705 DM

Haushaltsvorräte 1.360 DM

99.381 DM

Summe 166.831 DM DM

 

Die Entschädigung für lebendes und totes Inventar musste in bar gezahlt werden, während alle übrigen Geldansprüche durch Schuldverschreibungen des Landes Nordrhein-Westfalen oder ähnliche Zahlungsmittel beglichen wurden. Insgesamt erhielt Graf Westphalen für sein Gut Eilern 357.089 DM an Entschädigung.

Laut Kaufvertrag hatte sich der Verkäufer verpflichtet, den Gutsbetrieb bis zur Übergabe an die Siedlungsgesellschaft ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Im Februar 1951 übernahm die Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“, Münster, das Siedlungsvorhaben  Eilern von der Deutschen Bauernsiedlung. Am 13.3.1951 übergab der Graf Westphalen das Gut Eilern der „Roten Erde“ in seiner vollen Funktionsfähigkeit. Alles Inventar, das bei der späteren Ausstattung der Siedlerstellen nicht verwendet werden konnte und deshalb beim Verkäufer verblieb oder das aufgrund von Vereinbarungen mit der Siedlungsgesellschaft nicht mit übergeben wurde, ersetzte die ,,Rote Erde“ durch Neuanschaffungen. Damit gewährleistete sie eine ordnungsgemäße Durchführung der Zwischenwirtschaft bis zur Einrichtung und Übergabe der Siedlerstellen an die künftigen Siedler. Die Ergänzungen des Inventars mussten durch Kredite finanziert werden.

Ergänzung des Inventars durch die „Rote Erde“

Lebendes Inventar Wert

Kühe, 10 Stück 10.000 DM

Läuferschweine, 30 Stück 3.000 DM

13.000 DM

Totes Inventar

2 Lanz-Bulldogs 16 PS 11.000 DM

Reparatur Lanz-Bulldog Bj. 39 1.800 DM

4 kombinierte Imbertwagen 8.400 DM

2 Bindemäher, gebraucht 2.500 DM

2 Düngerstreuer, 2 Meter 1.100 DM

1 Gebläse für Heu u. Getreide 1.500 DM

Kleingeräte 1.200 DM

Sonstiges 2.500 DM

30.000 DM

Summe 43.000 DM

 

Die Aufsiedlung des Bodenreformlandes oblag der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“ in Münster (heute: Landesentwicklungsgesellschaft NRW). Sie hatte 15 Vollerwerbsstellen, 1 Schäferstelle, 1 Handwerkerstelle, 1 Stelle für Bäckerei und Kolonialwaren, 1 Nebenerwerbsstelle, 2 Landarbeiterstellen und 5 Anliegersiedlungen als Neusiedlungen anzulegen. Das erforderte zunächst eine Neumessung des Gutes Eilern, um eine genaue Größe der Siedlungsfläche zu erhalten. Nach einer Grenzbegehung am 26.7.1951, an der jeweils ein Vertreter des Katasteramtes Büren, der „Roten Erde“ und der Verwaltung des Grafen Westphalen teilnahmen, wurden die Vermessungsarbeiten durchgeführt. Mit den Marksteinschutzflächen und Wegen gingen insgesamt 335,71 ha Fläche in den Besitz der Roten Erde über, die auf ihren Namen in die Grundbücher von Fürstenberg, Elisenhof und Meerhof eingetragen wurde.

Das Kulturamt in Warburg leitete die Verhandlungen und stellte den Vertrag in der Rentengutssache Eilern auf. Die Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“ brachte 325 ha Land in das Verfahren ein; weitere 6 ha wurden dem Verfahren zugeschlagen, so dass insgesamt 331 ha zu verteilen waren. Bei der inneren Aufteilung der Siedlungsmasse standen insgesamt 241,35 ha für Verteilung an die Neusiedlungen zur Verfügung. Aus dieser Gesamtfläche wurden 15 Vollerwerbsstellen von durchschnittlich 14 ha gebildet. Dazu kamen die Höfe für den Schäfer, den Schmied und den Stellmacher. Drei Nebenerwerbsstellen von durchschnittlich 2 ha waren für den Bäcker und die beiden Landarbeiterfamilien eingeplant.

Die Siedlerauswahl für die Besetzung der Neusiedlungen des Siedlungsverfahrens Eilern erfolgte gemäß dem Bodenreformgesetz. Bei der Aufsiedlung von Gütern oder Domänen hatten ihre landwirtschaftlichen Angestellten und Arbeiter das Recht, mit aufgesiedelt oder von der Siedlungsgesellschaft in neue Arbeitsstellen vermittelt zu werden. Dem Inspektor Müller und seiner Ehefrau übertrug die Graf von Westphalen’sche Verwaltung ihr Gut Dinkelburg bei Warburg. Die drei Hausangestellten blieben ebenfalls in ihren Diensten. Die fünf Landarbeiter Wilhelm Finke, Wilhelm Fingerhut, Wilhelm Hoffknecht, Aloys Schmidt und Meinolf Schulte aus Helmern erhielten durch eine Landzulage in ihrem Wohnort eine verbesserte bäuerliche Existenz. Dafür waren 34 ha Anliegerland am Galgenpfad vorgesehen.

Der Verwalter Josef Poeplau und die Landarbeiter Theodor Demandt, Johannes Diermann und Anton Kaup wurden von der „Roten Erde“ dem Kreissiedlungsamt als Neubauern auf einer Vollerwerbsstelle vorgeschlagen. Bei dem Landarbeiter Max Neubauer und dessen auf dem Gut beschäftigten Söhnen Manfred und Louis sollte zuvor noch von der Siedlungsgesellschaft geprüft werden, ob sie zur Übernahme einer solchen Stelle geeignet waren. Der Schafmeister des Gutes, Erwin Bode, sollte auf Eilern eine Schäferstelle erhalten. Zuvor musste er sein Grundeigentum in Fürstenberg jedoch der „Roten Erde“ für Siedlungszwecke zur Verfügung stellen. Der Schmied Franz Wächter sollte eine Landausstattung von 7,5 ha zu seinem Wohnhaus erhalten. Durch Dresch- und Treckerarbeiten sollte Wächter seine Existenzgrundlage im Nebenerwerb verbessern. Der Landarbeiter Anton Kaiser sollte die vorgesehene Handwerkerstelle mit einer Landausstattung von 4 ha erhalten. Den Landarbeitern Stanislaus Drewienkowski und Josef Rauterkus sollten je eine Stelle mit einer Landausstattung von 2 bis 3 ha zugewiesen werden. Der Landarbeiter Paul Stephan war mit seiner Familie von der „Roten Erde“ im ehemaligen Haus Bode, Fürstenberg Nr. 69, unterzubringen.

Die berufliche Versorgung der noch auf dem Gut Eilern wohnenden und nicht als Siedler vorgesehenen Familien musste von der Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“ ebenfalls sichergestellt werden. Sieben weitere Landarbeiter sollten vom Arbeitsamt in andere Landarbeiterstellen oder in die Industrie vermittelt werden. Die beiden Holländer Eltje und Jan Idsinga gingen im August 1951 als Melker nach Erkeln bei Brakel. Gustav Krüger zog mit seiner Familie nach Fürstenberg. Der 74-jährige Rentner Hermann Menneken war durch die „Rote Erde“ in einer Wohnung unter zu bringen. Der Verwalter Funke sollte entgegen seinem Wunsch keine Neubauernstelle bekommen, da er erst 29 Jahre alt und noch unverheiratet war. Er sollte sich selbst um eine andere Verwalterstelle bemühen.

Jeder Siedlungswillige musste beim Landessiedlungsamt einen Siedlereignungsschein beantragen. Für die Bewerber auf die Siedlung Eilern war die Beratungsstelle der „Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation“ in Detmold zuständig. Diese Behörde hatte im Einvernehmen mit dem Siedlungsausschuss über die Besetzung der Siedlerstellen mit geeigneten Bewerbern zu entscheiden. Im Antrag auf den Eignungsschein musste jeder Bewerber Aussagen zu seiner Berufsausbildung, über seine früheren landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse, zu seinen Wünschen nach Art und Größe der gewünschten Stelle, über persönliche Verhältnisse, den Gesundheitszustand und über seine wirtschaftliche Lage machen. Das Formular sollte er persönlich im Beisein seiner Ehefrau und möglichst auch der Kinder beim Leiter der Behörde abgeben. Der wollte so einen ersten Eindruck vom Antragsteller erhalten. Gleichzeitig konnten gemeinsam Unklarheiten ausgeräumt werden.

Von Ende Februar bis Anfang März 1951 wurden die Anwärter auf eine Siedlerstelle von Vertretern des Kulturamtes Warburg aufgesucht, um ihre Eignung noch weiter zu überprüfen. Die vollständigen Unterlagen wurden einem Ausschuss vorgelegt, der sich aus einem heimatvertriebenen und einem einheimischen Siedlungsbewerber sowie einem bereits auf einer Siedlerstelle angesetzten Siedler zusammensetzte. Dieser Ausschuss entschied über die Eignung eines Bewerbers und nahm gleichzeitig eine Einstufung der Dringlichkeit vor. Inhaber des Siedlereignungsscheines ließen sich dann bei der Siedlungsgesellschaft vormerken, die den Bewerber entsprechend seiner besonderen Eignung und Einstufung dem Kreissiedlungsamt als Neusiedler vorschlug.

Am 1.10.1951 entschied das Kreissiedlungsamt in Büren über die Auswahl der Bewerber im Verfahren Eilern. Dabei musste es einer Anordnung des Landessiedlungsamtes nachkommen, nach der bei mehr als zwanzig Siedlerstellen zwei Stellen mit Bewerbern aus dem Bereich anderer Kreise, in denen kaum Siedlungsland anfiel, besetzt werden mussten. Das Kreissiedlungsamt Büren berücksichtigte daher je einen Bewerber aus den Kreisen Bielefeld und Halle/Westfalen. Bei der Verteilung im Siedlungsverfahren Eilern wurden schließlich 16 Heimatvertriebene und fünf Einheimische berücksichtigt.

Ein Teil des Rentengutes Eilern wurde nach Helmern gegeben. Eine Fläche von 32,26 ha auf dem Eilerberg zwischen Galgenpfad und Schnadeweg wurde parzelliert und an 5 Familien verteilt, die bis zur Auflösung auf dem gräflichen Gut als Landarbeiter in Lohn und Brot gestanden hatten. Eine Restfläche von 32 ha „Auf dem Eilerberg“, „Am Wacholderbusch“ und „Bei der Papenschlucht“ wurde in 35 Parzellen aufgeteilt und zur Verbesserung der Landausstattung an Kleinbetriebe in Helmern vergeben.

Eine 4 ha große Aufforstungsfläche wurde der Gemeinde Helmern übereignet.

Die Gemeinde Fürstenberg erhielt unentgeltlich und lastenfrei eine Fläche von 5,8 ha „Am Eilerberg“ westlich des Eilerborn übereignet, auf der sie einen etwa 40 m breiten Streifen als Windschutz aufzuforsten hatte. Im Besitz der Gemeinde Fürstenberg verblieben der 0,5 ha große Steinbruch an der alten Kirche sowie eine Hudefläche und die Lehmgrube an der Dalheimer Chaussee. Die Lehmgrube war seit jeher auch „Fillekuhle“: Sie wurde als Grab für verendete Pferde genutzt. Alle Gemeinschaftsflächen sollten bei Gründung einer eigenständigen Gemeinde Eilern/Friedrichsgrund gegen die Erstattung der Kosten zur Aufforstung an diese Kommune übertragen werden.

Eine 1,5 ha große Ackerfläche aus dem Reserveland für die Bullen- und Eberhaltung wurde ab Herbst 1953 zunächst für drei Jahre der Bäckerstelle in Friedrichsgrund zum ortsüblichen Preis verpachtet. Die alte Kirchstelle in Eilern wurde unter Denkmalschutz gestellt. Auf eine 1250 m² große Fläche nördlich des alten Gutshauses Friedrichsgrund sollte ein Friedhof  für die Neusiedlung angelegt werden. Zu einem Kaufpreis von 400 DM je Hektar erwarb die Gemeinde Fürstenberg eine 1,85 ha große Fläche aus dem Reserveplan. Das Land verpachtete sie zunächst an den Schmied Wächter. Wenn das Siedlungsgebiet später eine selbständige Gemeinde werden sollte, sollten auch diese Flächen an die neue Kommune zum Einstandspreis wieder abgegeben werden.

Zur Regelung der Schulverhältnisse erhielt der Kreis Büren das 0,42 ha große Hausgrundstück des Gutshofes Friedrichsgrund übereignet, dazu noch 10.000 DM. Nach den Weisungen der Schulbehörde sollte im Guthaus eine neue ein- bis zweiklassige Schule errichtet werden, um den Kinder den weiten Schulweg nach Elisenhof oder Fürstenberg zu ersparen. Auf der unmittelbar nördlich des Hauses anschließenden 0,54 ha großen Fläche sollte ein Spiel- und Sportplatz angelegt werden. Daran schloss sich der Platz für die Kirche an.

Denn auch die Kirchenverhältnisse sollten neu geregelt werden. Die Kapelle des Kirchensprengels Elisenhof wurde als zu klein angesehen und als nicht ausreichend zur Betreuung der Siedler. Die „Rote Erde“ übereignete daher der katholischen Kirchengemeinde Fürstenberg zum 1. April 1953 eine 0,45 ha große Fläche nördlich des Gutshofes Friedrichsgrund, auf der diese später einmal eine neue Filialkirche errichten sollte. Dazu erhielt die Kirche außerdem einen Betrag von 3.000 DM. Die evangelische Kirchengemeinde erhielt 1.000 DM zur Betreuung der evangelischen Siedler. Dafür sollte ein zur Abhaltung von Bet- und Bibelstunden geeigneter Raum geschaffen werden.

Für Feuerlöscheinrichtungen erhielt die Gemeinde Fürstenberg 150 m Schlauch mit Spritze, Aufsatzstück und Aufbewahrungstrommel. Auf einem geeigneten Grundstück sollte nach den Vorschlägen des Kreisbrandmeisters ein Feuerwehrgeräteraum erstellt werden.

Die Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“ begann im Sommer 1951 mit dem Bau der Neubauernstellen, der drei Nebenerwerbsstellen und des Doppelhauses für die beiden Landarbeiterfamilien. Die neuen Höfe errichtete die Firma Meinolf Lötfering aus Haaren. Die umfangreichen Umbauten an den Altgebäuden wurden von den Unternehmern Johannes Henkel und Franz Rümmel aus Fürstenberg vorgenommen. Für Sonnabend, den 15. Dezember lud die Gesellschaft die zukünftigen Siedler nebst Gattin zu einem Richtfest auf der Baustelle ein. Nach dem Richtspruch fand ein erstes geselliges Beisammensein der zukünftigen Bewohner der neuen Siedlung statt.

Am 7.2.1952 gab die Bauleitung der ,,Roten Erde“ die Zusicherung, die Gebäude für die Siedlerstellen, ausgenommen die Wasser- und Stromversorgung, bis etwa Mitte März fertig zu stellen. Dieser Termin gewährleistete der Siedlungsgesellschaft die Sicherheit, dass die Frühjahrsbestellung bereits von den Siedlern übernommen werden konnte.

Die Übernahme der Vollerwerbs- und Landarbeiterstellen erforderte vorher noch eine Verlosung der einzelnen Betriebe unter den Siedlern. Da die meisten Siedler den Wunsch auf eine Altbaustelle geäußert hatten, entschloss sich die Siedlungsgesellschaft, die aus der Bausubstanz des Gutes geschaffenen Bauernstellen mit einem zusätzlichen Anzahlungsgeld von 5000 DM zu belasten. Bei der Verlosung, die am 18.2.1952 unter Aufsicht der „Roten Erde“ stattfand, bestand bei den Siedlern kein Interesse mehr an den Altbaustellen I und VII, so dass diese mit den Neubauten zusammen verlost wurden.

Am 13. und 14. März 1952 wurden von der Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“ die Siedlerstellen in Eilern und Friedrichsgrund an die Neubauern übergeben. Die Neubauten, die erst Ende 1952 einen Wasser- und Stromanschluss bekamen, mussten noch durch verschiedene Eigenleistungen der Siedler fertiggestellt werden. In der Hauptsache bestand diese Arbeit im Weißen des Stalles und einigen Malerarbeiten im Wohntrakt. Außerdem waren die Stalldecken (Schleetendecken) in 5 Neubauten noch mit Strohlehm zu überziehen. Als zusätzlicher Banseraum wurde den Neubausiedlern eine Feldscheune für 5 Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt. Für jedes Haus hatten 40.000 DM Kapital zur Verfügung gestanden. Deshalb waren die Wohnungen, die die Siedler übernahmen, nur halb fertig gestellt. Im Obergeschoss fehlte der Putz an der Wand und die Räume waren noch ohne Türen. Den Ausbau sollten die Siedler im Laufe der Zeit selbst vornehmen.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche war so verteilt, dass der einzelne Siedler in der Regel nur 5 Schläge besaß, wovon einer unmittelbar an die Hofstelle anschloss. Gleichzeitig wiesen die Ländereien bei allen Siedlerstellen etwa gleiche Boden- und Ackerzahlen auf. Auf den Grenzen der einzelnen Grundstücke hatte die „Rote Erde“ Windschutzhecken anpflanzen lassen, für deren Pflege die angrenzenden Siedler verantwortlich waren. Soweit diese schnell wachsenden Hecken zwischen den Ackerflächen lagen, minderten sie durch Schneefang und Schattenwurf den Ertrag der Felder, waren deshalb ungeliebt bei den Bauern und verschwanden folglich im Laufe der Zeit.

Das lebende und tote Inventar der aufgelösten Zwischenwirtschaft wurde auf die neuen Siedlungen verteilt. Dabei sollte jeder Vollerwerbsbetrieb mit dem schon vorhandenen Vieh des Siedlers mindestens einen Viehbestand von 2 Pferden, 4 Kühen, 1 Rind und 4 Schweinen aufweisen. Gleichzeitig sollte ein ausreichender Maschinenpark zur Bewirtschaftung der Ländereien vorhanden sein. Noch fehlendes Inventar konnte von den Siedlern im Einvernehmen mit der Siedlungsgesellschaft gekauft werden, wobei die landwirtschaftlichen Geräte von der Westfälischen Central Genossenschaft, Lippstadt, zu beziehen waren.

Zur Überbrückung der Zeit bis zur nächsten Ernte erhielten die neugegründeten Siedlerstellen zur Fütterung des Viehs die noch vorhandenen Futtervorräte aus der aufgelösten Zwischenwirtschaft. Im einzelnen ergab das für jede Vollerwerbsstelle einen Vorrat von circa 40 Zentnern Futtergetreide, 120 Zentnern Futterrüben, 60 Zentnern Kartoffeln, 40 Zentnern Heu und 55 Zentnern Stroh.

Für die Herbstbestellung bekam jede Vollerwerbsstelle 20 Doppelzentner Saatgut. Außerdem durfte jeder Siedler Handelsdünger im Werte von rund 900 DM bei der „Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft“ in Fürstenberg beziehen, den die Siedlungsgesellschaft bezahlte. Alle weiteren Betriebsformen der Neusiedlungen wurden entsprechend ihrer Landzulage und ihrer Funktion mit lebendem und toten Inventar ausgestattet.

So konnte am 14. März 1952 ab 8.00 Uhr die Grenzeinweisung stattfinden. Anschließend wurde das aus der Gutswirtschaft übernommene lebende und tote Inventar übergeben. Auf den Siedlerstellen hatte von diesem Tage an mindestens ein Familienmitglied zu verbleiben, um das in den Ställen stehende Vieh zu versorgen. Die Wege waren in schlechtem Zustand: Tiefe Pfützen und Matsch überall. Gummistiefel zu tragen war eine Notwendigkeit für Kinder und Erwachsene. Bei nassem Wetter konnte der Dreschkasten die Höfe kaum erreichen. Ein wenig zufrieden stellender Anfang für die Siedler in Eilern und Friedrichsgrund.

Dazu waren sie gleich mit einer Menge Schulden behaftet. Der Kaufpreis einer Vollerwerbsstelle in der Größe von 15 ha betrug rund 63.000 DM. Davon waren 8.000 DM vom Siedler als Anzahlung zu leisten. Das Restkaufgeld wurde über die Landesrentenbank finanziert.

Ein Vollerwerbsbetrieb übernahm an lebendem und totem Inventar z.B.: Vieh im Wert von 5.430 DM, Inventar von der Gutswirtschaft Eilern im Wert von 2.200 DM. Diese Beträge wurden aus einem Einrichtungsdarlehen gedeckt.

Der Inventarbedarf einer Siedlerstelle war von der Siedlungsgesellschaft festgelegt. Auch hier ein Beispiel:

Bedarf Zukauf Inventar vom Gut Eilern

a) Lebendes Inventar

1 Pferd 700 DM

4 Kühe 3.950 DM

1 Kuh 1.350 DM

2 Schweine 780 DM

b) Totes Inventar

1 Schlepper mit Mähbalken,

gebraucht 3.000 DM

1 Vielfachgerät „Hassia“ 200 DM

1 Wagen 600 DM

1 Binder, gebraucht 350 DM

1 Satz Eggen, 3 tlg. 80 DM

1 Satz Saateggen, 5 tlg. 40 DM

1 Schlitten 50 DM

1 Ringelwalze 170 DM

1 Grubber 500 DM

1 Jauchefaß, 1.200 Ltr. 200 DM

1 Kipp-Futterdämpfer 120 DM

1 Schrotmühle 465 DM

1 Schiebkarre 90 DM

1 Dezimalwaage 160 DM

1 Rübenmühle m. Motor 130 DM

1 Pferdegeschirr 80 DM

5 Milchkannen 40 DM 30 DM

Hausrat 400 DM

Hof-, Stall-, Kleingerät 300 DM

Dünge-, Futtermittel 215 DM

Summe 6.370 DM 7.630 DM

Summe 14.000 DM

Der Finanzierungsbedarf wurde durch ein Einrichtungsdarlehen von 12.000 DM und eine Eingliederungsbeihilfe über 2.000 DM abgedeckt.

Das vorhandene Inventar des Vollerwerbsbauern, das er auf die Siedlerstellle mitbrachte, bestand aus einem Wagen, einem Pflug und zwölf Hühnern.

Äußerst ärgerlich für alle Siedler war es, dass die aus dem Bestand der Zwischenwirtschaft übernommenen Kühe mit TBC-Erregern verseucht waren, und ihnen damit weit über dem Marktwert verkauft worden waren.

An Kleingeräten wurden übernommen:

900 Meter Weidezaun 270 DM

20 Kleereuter 40 DM

1 Pferdehalsband 10 DM

4 Anbindeketten 2 DM

1 Pferdegummikarre (Isenburg) 180 DM

1 dreispännige Ziehwaage mit Schwengel 4 DM

1 Rübengabel 2,50 DM

2 Köpfschippen 0,50 DM

1 Rübenheber 1,50 DM

1 Mistgabel 0,50 DM

1 Bettstelle mit Matratze 80 DM

1 Schrank 2 DM

Federbetten 25 DM

1 Bank 2 DM

1 Ofen 20 DM

1 Büffet, 1 Tisch, 10 Stühle 275 DM

Summe 915 DM

Die Vollerwerbsbetriebe waren zunächst äußerst kärglich ausgestattet und mussten sich erst entwickeln.

An Ausstattung hatte ein Siedler aus dem Gutsbetrieb zu übernehmen:

a) an Herbstbestellung    15 ha    Winterweizen

b) an Vorräten    45 Ztr    Futtergetreide

    68 Ztr    Kartoffeln

    64 Ztr    Stroh

    136 Ztr    Futterrüben

    45 Ztr    Heu

    30 Ztr    Kalkstickstoff

    5 Ztr    Kali

Für den Betrag von 656 DM konnte er Düngemittel beim Landhandel Johann Lange in Fürstenberg beziehen.

Trotz empfindlicher Rückschläge durch nasse Erntejahre und Dürreperioden schafften sich die Siedler unter der Mithilfe oft zahlreicher Familienmitglieder eine neue Existenz. Am 1. April 1955 hat der vorher genannte Hof schon 8 Kühe und 5 Rinder. Fünf Jahre später war die Wirtschaftsfläche durch Zukauf auf 19,5 ha angewachsen. Auch der Viehbestand hatte weiter aufgestockt werden können. Es gab jetzt:

                 1 Pferd                         3 Zuchtsauen

                 8 Kühe                         15 Läuferschweine

                 2 Fersen                       1 Mastschwein

                 10 Rinder                        60 Legehennen

An das Stromnetz war das Gut bereits seit 1939 angeschlossen. Die Transformatorenstation westlich des Hügels der mittelalterlichen Kirchstelle erhielt von Husen über Dalheim, Elisenhof und Friedrichsgrund ihre elektrische Energie. 1945 ging von dieser Station eine Versorgungsleitung zu der Baustelle eines Feldflugplatzes der Luftwaffe auf der Körtge. Erst 1960 wird die Straße vom alten Gutshof nach Westen zu den Siedlungshäusern ausgebaut.

Schon in den Jahren 1968/69 gaben zwei Vollerwerbslandwirte aus familiären bzw. wirtschaftlichen Gründen ihre Betriebe wieder auf. Während der Hof Brand fast ganz vom Hof Wiedemeier übernommen wurde und diesen auf 26 ha vergrößerte, wurden mit der Ackerfläche des Hofes Schwarzbeck drei Vollerwerbsbetriebe erweitert.

Der Bäcker arbeitete bis 1968 und verkaufte dann nur noch Lebensmittel, da ein Nachfolger fehlte.