Die Glashütte

Glasherstellung

Holz war der wichtigste Rohstoff bei der Glasherstellung und offenbar in den Fürstenberger Wäldern noch in genügender Menge vorhanden. Trotzdem warnten die Forstsachverständigen und drängten auf eine geregelte Holzentnahme aus den Beständen. Der Oberförster ließ deshalb auf dem Felgenberg eine Unterförsterei errichten. Der dort wohnende Förster konnte die Wald- und Holznutzer stets unter Kontrolle haben, da sowohl der Fürstenberger Triftweg, auf dem die Viehhirten ihre Herden trieben, als auch der Weg von Essentho nach Bredelar oder Madfeld an seinem Haus vorbeiführte. Die Fuhrleute, die den Glasmachern das Holz zur Hütte karrten, mussten auf ihrem Weg ebenfalls am Forsthaus vorbei. Die Fürstenberger Holzberechtigten trauten der Kontrolle jedoch nicht. Sie beklagten vielmehr, daß ihnen nicht nur die Glasmacher sondern auch die Einwohner aus Essentho und Madfeld das Brakenholz wegnähmen, wenn sie das Brennholz für die Glashütte anführen.

Den zur Glasherstellung benötigten weißen Quarzsand schaffte ein Unternehmer aus Lemgo herbei. In Körben, die von 15 Eseln getragen wurden, brachte er von dort alle vierzehn Tage den Grundstoff für die Glasmasse. Auf dem Rückweg nahm der Transporteur dann die fertigen Produkte mit nach Paderborn oder Driburg, von wo sie weiter über die Weser nach Norddeutschland, Holland und England verschifft wurden.

Der Quarzsand kam in große oben offene Tonwannen, Häfen genannt, in denen er durch die Hitze des Holzfeuers flüssig wurde. Um die Schmelztemperatur des Sandes von 1700° C auf 1200° C herabzusetzen, musste der Schmelzer Pottasche als Flussmittel hinzugeben.

Pottasche wurde von den Aschesiedern aus Holzasche hergestellt. Zuerst setzten sie mit Wasser eine Lauge an, die sie dann in großen Kesseln, den 'Pötten' so lange kochten, bis das Wasser verdampft war, und ein weißes Salz übrig blieb. Die Aschesieder benötigten riesige Mengen Holz zur Herstellung der Holzasche. Sie sammelten außerdem die Asche von den Hausbrandstätten der Dörfer und vom Ofen der Glashütte. Zunächst stellten sie die Pottasche auch dort her. Der Pottaschesieder Konrad Droll kam aus Madfeld und arbeitete im Lohn für die Glasfabrik.

Als im Jahre 1822 die gräfliche Ziegelhütte ins Hegeholz auf den Pahlsberg verlegt wurde, nutzte man die alten Gebäude oberhalb des Sauplatzes auf der späteren Gemeindekuhweide als Siederei, da dieser Platz sich durch eine günstige Lage auszeichnete. Vor dem Wald am Triftweg gelegen konnte leicht das Brennholz herbeigeschafft werden. Die Glashütte, die Ziegelei und das Dorf als Lieferanten von Holzasche waren nicht weit. Nicht zuletzt war dieser Großverbraucher von Holz hier vom Förster gut zu kontrollieren. 1842 stellte die Siederei ihre Produktion ein, da industriell produziertes Soda die Pottasche als Flussmittel bei der Glasschmelze ersetzte.

Hüttenarbeit

Die Arbeitszeit der Glasmacher war bestimmt durch den steten Wechsel von Schmelze und Fabrikation. Zwei Schürer besorgten die Feuerung des Ofens. Im Trockenofen gut vorgetrocknete Buchenholzscheite wurden über einem Feuerrost verbrannt, so dass die offene Flamme um die Glashäfen schlug. Der Rauch zog über die Ofenlöcher und die Schornsteine ab, die 3,50 m hoch über das Dach der Fabrik ragten. Der Schürer und der Schmelzer benötigten 16 bis 18 Stunden um die Glasmasse schmelzflüssig zu erhalten. Dann ließ der Schmelzer mit schnellen Schlägen die Glocke am Haus des Fabrikanten erklingen, um die Glasmacher zur Arbeit zu rufen. Die Glasmacher fertigten das Hohlglas arbeitsteilig in Gruppen, dem s.g. Stuhl. Der Lehrjunge nahm mit der Pfeife, einem langen dünnen Metallrohr, etwas zähflüssige Glasmasse aus einem der sechs Häfen. Das Blasrohr mit dem Glastropfen gab er an den Hohlgläser weiter, der über das Mundstück den Bauch des Glases blies. Dann übernahm der Meister das Rohglas und formte in seinem Arbeitsstuhl sitzend Stiel und Boden passend an. Das fertige Stück wurde schließlich von dem Einträger mit einer langstieligen Zange in den Kühlofen getragen, wo das Werkstück bei ca. 800° C langsam abkühlen konnte. Die Glasmacher arbeiteten gleichzeitig an mehreren Öffnungen des Schmelzofens, so dass die gesamte Glasschmelze in einer Arbeitsschicht von zehn Stunden verarbeitet war.

Aus dem hochwertigen Weißglas stellten die Glasmacher Trinkgläser oder Medizinfläschchen her. Der Glasschneidemeister gab ihnen in der Schneidestube an einer Scheibe aus Sandstein 'den letzten Schliff'. Aus der Schleiferei trugen Helfer die fertigen Gläser in die Einbindestube. Dort banden zumeist Frauen die Trinkgläser in feuchtes und somit geschmeidiges Roggenstroh ein. Die fertig gebundenen Pakete, ein 'Stroh' genannt, wurden zum Packplatz getragen und in Holzkisten verpackt. Die Transportkisten hatte der Betriebsschreiner hergestellt. Alle Glaswaren wurden dann von der Eselskarawane, die den Sand gebracht hatte, mitgenommen. Für den Verkauf der Gläser sorgte der Glashändler Adam Andrée, der mit im Hause des Fabrikanten Kapmeyer wohnte. Die Arbeiter der Glashütte erhielten ihren Lohn nach der gefertigten Stückzahl. Der Einträger zählte, indem er Glaskugeln von einem Kästchen in ein anderes legte, jedes Werkstück, das er in den Kühlofen trug. Am Ende einer Arbeitsschicht konnte der Buchhalter die Anzahl der gefertigten Gläser feststellen und in das Lohnbuch eintragen. Die Monatsverdienste fielen sehr unterschiedlich aus, da während des Winterhalbjahres zwischen Martini und Ostern die Glashütte ihre Arbeit einstellte. Dann waren die Glasmacher als Holzhauer tätig.

Die Anzahl der auf der Glasfabrik beschäftigten Arbeiter schwankte je nach Absatzmöglichkeiten. Während um 1810 mehrfach 18 Glasmacher genannt wurden, gehörten im Jahre 1856 insgesamt 31 Mann zur Belegschaft: das waren neben dem Fabrikherrn ein reisender Glashändler, 1 Glasschleifer, 4 Tagelöhner, 10 Meister, 8 Gesellen, 2 Schürer, 1 Schmelzer, 2 Gehilfen und 1 Gemengemacher. Auch die Produktionsmengen schwankten. Um die Jahrhundertmitte wurden jährlich etwa 200.000 Hüttenstücke mit einem Gesamtgewicht von 2.250 Zentnern zu einem Wert von 9.000 Talern produziert.

Besitzer der Glashütte war zu dieser Zeit die Unternehmerfamilie Vezin. Vater Louis hatte die Fabrik 1833 übernommen. Als er 1845 im Alter von 71 Jahren starb, führten seine Söhne Ludwig und August die Hütte weiter. Die Vezins modernisierten den Betrieb. Im Jahr 1857 richteten sie einen zweiten Schmelzofen ein, den sie mit Steinkohle befeuerten. Die Steinkohle wurde über die 1853 gebaute Eisenbahnstrecke Ruhrgebiet - Paderborn bis nach Geseke transportiert und von dort über die gerade fertiggestellte Kreisstraße Büren - Marsberg mit Pferdefuhrwerken bis zur Glashütte  geschafft. Durch den zweiten Ofen und die neuartige Befeuerung verdoppelte sich der Wert der Produktion beinahe. 37 Arbeiter stellten an den beiden Öfen 3.000 Zentner Weißglas im Wert von 12.000 Talern und 2.000 Zentner Grünglas, überwiegend Flaschen, im Wert von 4.000 Talern her. Man hoffte damals, dass mit der Steinkohlenbefeuerung eine dauerhafte Hebung des Produktionsumfangs und der Rentabilität der Hütte eintreten würde.

Hüttendorf

Im Jahr 1862 arbeiteten auf der Fürstenberger Glashütte  35 Arbeiter, die mit ihren Angehörigen eine Gemeinschaft von 83 Seelen bildeten. Die Hüttenarbeiter wohnten in niedrigen Fachwerkhäusern, die sich in einem sehr schlechten Bauzustand befanden. Zu den aus der Gründungszeit der Fabrik stammenden sechs Häusern, in denen jeweils zwei Familien wohnten, waren zwei weitere Häuser gebaut worden: eines für drei Familien und das andere für eine Familie. Für ihre Wohnung zahlten die Arbeiter jährlich 4 Taler Miete an den Hüttenherrn. Dafür hatte jede Familie eine beheizbare Stube, eine ungeheizte Kammer und einen Stall für eine Kuh. Die Herde von mehr als 20 Kühen durfte der Hirte nach festen Regeln in die zur Beweidung freigegebenen Waldstücke treiben. Nach der Ablösung der Huderechte im Jahr 1871 wurde den Bewohnern der Glashütte  von der gräflichen Verwaltung eine besondere Kuhweide angewiesen, die sich vom Forsthaus Felgenberg durch das Aa tal bis auf den Himbeerkopf erstreckte und fast 80 Morgen groß war.

Den Wintervorrat an Heu gewannen die Glashütte r auf den Wiesen in den beiden Aatälern , die zur Fabrik gehörten. Nach einem langwierigen Prozess konnte der Fabrikant Vezin  1859 die 17 Morgen Acker- und Wiesenland der Wünnenberg er Schützengesellschaft als Eigentum erwerben. Als die Schützen ihr Land öffentlich versteigern wollten, pochte der Glasfaktor Vezin  auf seine Rechte aus der Erbpacht. Denn seit mehr als 40 Jahren waren die Schützenwiesen von der Glasfabrik zu einem Pachtpreis von einem Taler pro Morgen genutzt worden. Vezin  konnte daher tatsächlich die auf den Schützenwiesen liegenden Reallasten mit einer einmaligen Zahlung von 350 Talern ablösen.

Der Hüttenherr war vermögend, sein Wohnhaus solide gebaut und in gutem Zustand. Es war aus Fachwerk, 28,90 m lang, 9,40 m breit und zwei Stockwerke hoch. Die Gefache waren mit Eichenscheiten ausgestakt, mit Lehm verschmiert und mit Kalkmörtel verputzt. Das Haus war sehr geräumig. In elf Zimmern waren die Wände sogar tapeziert, was den Wohlstand des Besitzers anzeigte. Die übrigen Räume, der Flur und die Gänge waren mit Kalk verputzt und geweißt. Die Fußböden beider Etagen waren mit Eichen- oder Fichtenholzdielen belegt. Die geschlossene Küche und der Vorratsraum hatten ein Kleinpflaster aus Flusskieseln. Die Stuben konnten mit eisernen Kohleöfen beheizt werden.

Bis dicht an das Wohnhaus reichte das Fabrikgebäude. Es war 34 m lang, 16 m breit, einstöckig und bis zur Dachtraufe 3 m hoch. Wie alle anderen Gebäude war auch die Fabrikhalle in Fachwerk errichtet, das jedoch teils mit Lehmsteinen und teils mit gebrannten Ziegelsteinen ausgemauert war. Der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm. Herrenhaus und Fabrik waren mit Tonziegeln gedeckt, letztere wegen der Brandgefahr jedoch ohne Strohdocken. Seitlich der Fabrik stand in etwa 9 m Entfernung ein einstöckiges 30 m langes und 5,60 m breites Gebäude, das im Winkel gebaut war. Es bot als Magazin Platz für die Sand-, Ton- und Glasvorräte und enthielt Ställe, deren Boden gepflastert war. Hierin standen die vier Zugpferde der Hütte und ebenso viele Kühe.

Hüttenfest

Auf der Glashütte  wurde nicht nur hart gearbeitet, sondern auch jedes Jahr im Juli das Hüttenfest gefeiert. Der Fabrikherr Louis Vezin  hatte dieses Fest gestiftet, um dem Missbrauch von Branntwein, der in den Hungerjahren um 1840 verstärkt
aufgekommen war, zu begegnen. Jeder Arbeiter hatte sich mit seiner Unterschrift verbürgen müssen, keinen Schnaps mehr zu trinken. Hingegen verpflichtete sich der Fabrikherr, alljährlich der Hütte ein Fest auszurichten mit Musik und Bier, „soviel jeder mag.“

Wenn am Samstag die Glasöfen ausgingen, um nach der ersten Brennperiode des Jahres gereinigt und ausgebessert zu werden, und die Hüttenglocke den Feierabend eingeläutet hatte, wurde der Lehmboden im Fabrikraum gesäubert, angefeuchtet und glatt geschlagen. Die Gesellen schmückten die Wände mit Birkenzweigen und Fichtengrün, um einen prächtigen Tanzsaal zu schaffen. Die Frauen flochten rote und weiße Rosen, die im Garten des Herrenhauses in großer Zahl wuchsen, in das Grün der Girlanden und bekränzten das Haus und die Hütte.

Am Festsonntag, kurz nach zehn Uhr, fuhren die geladenen Gäste in ihren Pferdekutschen vor. Erst kamen die Gutspächter aus Eilern , Elisenhof  und Wohlbedacht , dann der Oberförster Langheld  und der Pächter der Fürstenberger Ökonomie, der auch den Pfarrer mitbrachte. Die Fabrikherren pflegten seit jeher den gesellschaftlichen Kontakt mit der Oberschicht des Dorfes, während die Glasmacher abgeschieden von der Dorfbevölkerung unter sich lebten.

Doch heute war es anders. Allmählich füllte sich der Festplatz und das Fest konnte mit einer alten Sitte beginnen: ein junges Paar, das im verflossenen Jahr Hochzeit gehabt hatte, wurde beim Hüttenfest feierlich in die Hüttengemeinschaft eingeführt.

Mit der Musik der Trompeten, Flöten und Geigen setzte sich der Festzug in Bewegung. Voraus schritten die Männer, die ihre Glaspfeifen, mit denen sie sonst die Gläser bliesen, geschultert trugen. Um die Blasrohre hatten sie Ranken gewunden und in die Öffnungen vorn eine Rose gesteckt. Es folgten die Frauen in ihrem steifen Hochzeitsstaat mit schwarzem Seidenrock und der Goldhaube im Haar. Das jungvermählte Paar wurde von seiner Wohnung abgeholt. Dann schritt der Zug am Wald entlang, einmal um die ganze Hüttensiedlung und zurück zum Festzelt. Dort eröffnete das Hochzeitspaar den Tanz, indem es reihum mit allen Nachbarn sich abwechselte.

Die Festgäste setzten sich an lange Tische, tranken braunes Bier und aßen frischen Kuchen. Tanzspiele wechselten mit Liedern und Trinksprüchen. Klein und groß spielte auf der Wiese und vergnügte sich auf der Kegelbahn.

Mit dem Glockenschlag zwölf war das Fest beendet. Die Musiker packten ihre Instrumente ein, und die Gäste verließen in ihren Kutschen das Tal. Am Montag wurden die Reste verzehrt, und ganz unter sich feierten die Hüttenarbeiter den Ausklang. Dann kehrte der Alltag wieder ein. Die Öfen wurden gesäubert und ausgebessert, damit die nächste Brennperiode beginnen konnte.

Wirtschaftsflauten

Die Glasmacher mussten gute Arbeit leisten, denn die Konkurrenz der verkehrsgünstig an der Eisenbahn gelegenen Glasfabriken war groß. Der Transportweg der Steinkohle in den Fürstenberger Wald erwies sich als zu weit und somit zu teuer. Nach wenigen Jahren wurde die Steinkohlefeuerung wieder aufgegeben. Grünes Flaschenglas wurde nicht mehr produziert. Nur mit ihrem hochwertigem Weißglas hatte die Hütte noch gute Absatzchancen. Der Produktionswert betrug 1866 nur noch 9.750 Taler.

Die wirtschaftliche Lage der Glasarbeiter blieb bescheiden. Ihre engen Familienbindungen und vielfach verflochtenen Verwandtschaften halfen ihnen über wirtschaftliche Flauten hinweg. Schwierig wurde es, wenn der Verdienst durch Krankheit ganz entfiel. Die 1857 gegründete Unterstützungskasse für die Glasarbeiter sollte hier Hilfe schaffen. Die Mitgliedschaft war Pflicht. Der Buchhalter der Hütte führte das Mitgliederverzeichnis, errechnete die Beiträge, das war ein Prozent des Monatslohnes, und behielt sie regelmäßig ein. Der Fabrikherr legte zum erhaltenen Betrag die Hälfte hinzu. Die Jahreseinnahmen der Kasse lagen bei 50 bis 60 Talern und waren bei der Kreiskasse in Büren  angelegt.

Bei Erkrankung oder Unfall standen dem Mitglied während der ersten Woche unentgeltlich ärztliche Pflege und Medikamente zu. Bei längerer Krankheit und Arbeitsunfähigkeit gab es einen Betrag von zehn Groschen bis zu zwei Talern pro Woche an Verpflegungsgeld. Im Todesfall zahlte die Kasse einen Zuschuss von fünf Talern zu den Begräbniskosten. Die Unterstützungskasse ersetzte die Armenpflege, für die bis dahin die Gemeinde Fürstenberg aufkommen musste. 1884 wurde die Unterstützungskasse der Fabrikarbeiter in die Allgemeine Ortskrankenkasse überführt.

Pachtbetrieb

Ludwig Vezin  verkaufte 1871 die Gebäude der Glashütte  mit allen zugehörigen Äckern und Wiesen an den Grafen Westphalen . Vezin  war damals 73 Jahre alt. Erst drei Jahre zuvor hatte er noch Sophie, die Tochter des gräflichen Oberförsters, geheiratet. Da das Ehepaar Vezin  kinderlos war, pachtete sein Neffe Eduard Fabra  mit einem 10-Jahresvertrag die Fabrikgebäude und das Gelände. Fabra  erneuerte in den Jahren 1874/75 das Hüttengebäude und baute es 39 m lang und 17 m breit. Das Fachwerk ließ er mit Ziegelsteinen ausmauern und den Fußboden ebenso pflastern. Außer den Schmelz-, Kühl-, und Trockenöfen waren jetzt auch
die Schleiferei, die Einbindestube, die Schreinerei, das Sand- und Tonlager, die Backstube und das Kontor unter dem Dach der Fabrik. Die Schulstube lag über der Schleiferei und war wie diese beheizbar. Achtzehn kleinteilige Fenster aus Gusseisen brachten Licht in die Räume der Fabrik.

Um die Verkehrslage der Hütte zu verbessern, ließen die Gemeinde Fürstenberg und die gräfliche Verwaltung den Verbindungsweg von der Provinzialstraße Fürstenberg - Marsberg  zur Glashütte  ausbauen. Im Sommer 1878 hatten die Arbeiter die Packlage gesetzt und den Feinschlag fertig abgewalzt. Der Ausbau kostete die Gemeinde 10.838 Mark. Gegen eine jährlich von ihr zu zahlende Entschädigung übernahm Graf Westphalen  die bauliche Unterhaltung dieses öffentlichen Gemeindeweges.

Krise

Das neue Fabrikgebäude war gerade sechs Jahre in Betrieb, als es am 28. Juli 1881 abbrannte, weil sich Holzrinde im Trockenofen entzündet hatte. Da fast alle Arbeiter mit der Heuernte beschäftigt waren, kam tatkräftige Hilfe zu spät. Auch die herbeigerufene Fürstenberger Feuerspritze konnte nicht mehr viel ausrichten. Die Fabrik und das Magazin brannten nieder.

Das angrenzende Wohnhaus, in dem der Glasfabrikant mit seiner siebenköpfigen Familie, der Buchhalter, die Lehrerin sowie drei Mägde, ein Knecht und der Kuhhirt wohnten, konnte gerettet werden. Als die gräfliche Verwaltung den Wiederaufbau des Fabrikgebäudes nicht sofort in Angriff nahm, gab Fabra  sein Pachtverhältnis Ende 1881 auf. Nach zehnjähriger Betriebsführung hatte er die Einsicht gewonnen, dass seine Glashütte  weit abgelegen von der Bahn dem Konkurrenzdruck nicht mehr lange standhalten würde. Schon etliche Jahre zuvor hatte der Amtmann Brunnstein  die Erwartung geäußert, dass die Glashütte  bald nach Marsberg  an die Eisenbahn verlegt werden würde, zumal die Holzpreise gestiegen seien und die Steinkohle dort billiger zu haben sei.

Der adelige Eigentümer fand jedoch im Februar 1882 mit dem Uhrmacher Gerlach  und dem Maurermeister Nikolaus Höttger  aus Marsberg  neue Pächter. Höttger erhielt den Auftrag zum Wiederaufbau der Fabrik. Mit den verbliebenen Glasmachern führte er den Betrieb weiter.

Als am 2. Juli 1885 nach einem Blitzschlag das Herrenhaus niederbrannte, errichtete die gräfliche Verwaltung einen kleineren Neubau, der um 12 Meter vom Fabrikgebäude weg nach Süden versetzt war. Die besten Jahre des Hüttenbetriebes waren allerdings längst vorbei. Der Pächter lebte in bescheidenen Verhältnissen und das Einkommen der Arbeiter war so gering, dass sie fast gar keine Gemeindesteuer zahlten. Am 8. September 1903 stellte der Betrieb schließlich seine Produktion ein. Außer Forsthaus und Schule erinnerten bald nur noch ein paar Glasklumpen und zerbrochene Werkstücke, die ein Maulwurf auf dem Hüttenplatz ans Tageslicht brachte, an die alte Glasfabrik im Fürstenberger Wald.

Marsberger Glashütte

Der Hüttenpächter und seine Arbeiter zogen nach Marsberg , um ihr Glück dort zu versuchen. Für die Bauherrn und Geldgeber des Projekts Julius und Louis Nordheimer  stellte Nikolaus Höttger  am
10. September 1903 einen Bauantrag auf Errichtung der Marsberg
er Glashütte auf einem Gelände zwischen der Bahnhofstraße und der Paulinenstraße. Die Fabrikhalle wurde etwas größer als die in Fürstenberg und aus Ziegelsteinen errichtet. Sie enthielt neben dem eigentlichen Hüttenraum die Hafenstube, die Einbindestube, die Schleiferei und den Gemengeraum. Wie schon in Fürstenberg sollten die Glashäfen auch hier direkt befeuert werden, jetzt allerdings wieder mit Steinkohle, die über die Bahn preisgünstig herangeschafft werden konnte.

Der runde Glasofen von 5 m Durchmesser hatte 8 Arbeitsöffnungen. Insgesamt hatte die Hütte 34 Beschäftigte: 15 Glasmacher, acht Einträger, zwei Schürer, einen Gemengemacher, einen Packer, zwei Einbinderinnen, drei Schleifer und zwei Kistenmacher. Ebenso viele waren es schon im Fürstenberger Wald gewesen. Und wie dort wurde weißes Hohlglas hergestellt. Das Glasrezept hatte man aus dem Aa tal mitgebracht.

Es war eine monatliche Produktion von 20.000 kg Glaswaren geplant. Dafür wurden täglich 2.850 kg Steinkohle als Brennstoff benötigt. Die Schleifscheiben der Schleiferei, wurden nicht mehr wie in der alten Hütte mit einem Wasserrad angetrieben, sondern von einem Elektromotor. Eine weitere Neuerung war das von Hand betriebene 12 m lange Fließband. Auf ihm wurden die fertigen Glaswaren langsam durch den Kühlofen gezogen und gleichmäßig abgekühlt.

Durch den Krieg bedingt musste die Hütte allerdings 1917 ihren Betrieb wegen Kohlenmangels einstellen. Nach einer wechselvollen Geschichte übernahm 1935 der Driburg er Glashändler H. Ritzenhoff  die Glashütte. Heute ist sein modernes Glaswerk nur 4 km vom ursprünglichen Standort entfernt an den Rand des Fürstenberger Waldes zurückgekehrt.