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Die Hexengeschichte schlägt, obschon 300 Jahre vergangen, noch heute die Menschen in ihren Bann. Gerichtsherren waren in Fürstenberg die Familien derer von Westphalen. Deren Richter war auch dann zuständig, wenn Menschen der Hexerei beschuldigt wurden. Allerdings mussten wegen der Bedeutung solcher Prozesse auswärtige Juristen als Kommissare hinzugezogen werden, die den Dorfrichter bei der Rechtsfindung unterstützen sollten. Es gab in der Dorfgesellschaft früherer Jahrhunderte immer Familien, denen vorgeworfen wurde, sie stammten von Hexen ab. Traten unerklärbare Krankheiten auf oder zeigte das Vieh Symptome von Vergiftungen, wurde nach einem Sündenbock gesucht. Oft fand er sich in den schon geächteten Familien. Wenn dann öffentlich ein Name genannt war, wurde der oder die Beschuldigte sogleich eingekerkert. Am Antenberg ganz in der Nähe des Dorfes kennt der Volksmund noch die "Hexentreppe", die steil auf die Höhe des Berges führt. Dort haben die Hexen mit dem Teufel getanzt. So lauten jedenfalls ihre Bekenntnisse, die von den Kommissaren unter der Folter erpresst worden sind. Wenn der Hexentanz auf dem etwa 5 km entfernten Eilerberg stattfand, dann ritten sie auf halben Ziegenböcken dorthin. So ist es jedenfalls in den Aussagen der Hexen protokolliert. Unweit "Ridders Hause" führten die Hexenanwälte in einem
Teich die Wasserprobe durch.
An Händen und Füßen gebunden
wurden die Unglücklichen ins Wasser geworfen. Blieben sie schwimmend an der
Oberfläche, so lautete das Gottesurteil auf schuldig. Unter der uralten Linde
am Altenheim St.Clemens wurde der Richterspruch verkündet. Für ihre
Verbindung mit dem Teufel und zur Abschreckung der Dorfbevölkerung wurde eine
Hexe - das konnte auch ein Mann oder sogar ein Kind sein - mit dem Tod durch das
Schwert bestraft. Wahrscheinlich wurde das Urteil nicht sogleich vollstreckt, sondern die Verurteilten wieder auf den Wasserplatz geführt. Dort heißt ein Weg, so ist es aktenkundig, Hexenweg. Auf einer gemeinschaftlich genutzten Weidefläche vor dem Schafstall wurde das Todesurteil dann vom Scharfrichter vollstreckt und die Leiche anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Da in Fürstenberg zwischen 1601 und 1702 etwa 50
Hexenprozesse stattfanden, die meistens auf dem Scheiterhaufen endeten, und die
Gerichtsherren zu einer recht späten Zeit noch zwölf Verfahren durchführten,
gaben die Nachbarorte den Fürstenbergern nicht zu Unrecht den Spottnamen
"Hexenverbrenner". Mehr zur Hexenverfolgung im Hochstift Paderborn und angrenzenden Territorien bei R. Decker. Hier der Bericht eines Zeitzeugen aus dem Rheinland: Hermann LöherHochnötige Unterthanige WEMÜTIGE KLAGE Der Frommen Unschültigenbearbeitet von Thomas P. Becker unter Mitarbeit von Theresia BeckerDie Internet-Ausgabe des 1676 veröffentlichten Werkes von Hermann Löher „Hochnötige Unterthanige Wemütige Klage der Frommen Unschültigen“ ist in Original-Sprache und Zeichensetzung vom Archivar der Uni Bonn, Thomas Becker, aufbereitet. Zur besonderen Bedeutung des Buches sagte Becker, es lege die Konflikte innerhalb der Hexengerichte offen, teilweise in wörtlicher Rede. „Die Schöffen hatten mitunter eine ganz andere Meinung als der Hexenkommissar, ließen sich aber aus Angst um ihr Leben von ihm manipulieren.“ |