|
|
oder „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul! „Wir müssen
in der Geschichte unseres Volkes nach jenen Männern spüren und ihnen
Gerechtigkeit widerfahren lassen, die dafür gelebt und gekämpft haben, damit
das deutsche Volk politisch und moralisch verantwortlich sein Leben und seine
Ordnung selbst gestalten kann.“ Gustav
Heinemann (Bundespräsident 1969-1974) Vormärz Die
heftigsten Unruhen der Märztage vor 150 Jahren verzeichnete in unserer Heimat
der Chronist von Fürstenberg im Kreis Büren. Aus Frankreich über das
Rheinland kommend sprang der Freiheitsfunke der Revolution auch auf das
Paderborner Land über und versetzte die sonst eher als bedächtig bekannten
Menschen dort in helle Aufregung. Es ist schwer
zu sagen, wie viele der damals aufbegehrenden Männer ein politisches Gespür
hatten für das, was sie forderten. Sie hatten aber sehr wohl einen hohen Sinn für
Gerechtigkeit, die ihnen von der herrschenden Ordnung vorenthalten wurde. Sie
hatten eine Hoffnung auf Freiheit, der Freiheit von Hunger, Not und Unterdrückung.
Sie hatten einen Traum von Gleichheit, der Gleichheit bei Abgaben, Steuern und
Rechten. „Die
Menschen werden frei und an Rechten gleich geboren.“ Das war die Botschaft,
die aus Frankreich kam. Dorfrevolten Die
aufgestauten Spannungen zwischen den Dorfbewohnern und den Grundherren von
Westphalen hatten sich schon früher mehrfach in Revolten gegen die Obrigkeit
gewaltsam entladen. Als Ende des 18. Jahrhunderts einmal die Hirten des Dorfes
ihre Schweine gegen den Willen des Forstmeisters in den Wald trieben, und
daraufhin zwei Förster dagegen einschritten und die aufgegriffenen Schweine pfänden
wollten, versammelte sich ein großer Teil der Einwohner vor dem gräflichen
Gutshof, um die Pfändung zu verhindern. Sie gebärdeten sich, „als wenn der
Freiheitstaumel der französischen Revolution sie ergriffen hätte“. Wenige Jahre
nach diesem Zwischenfall wurde die Gemeinde mit 60 Mann Soldaten, das war fast
das halbe Paderborner „Heer“, zur Zwangsvollstreckung belegt. Der Graf
wollte die wegen Zahlungsunfähigkeit aufgelaufenen Strafen aus Vergehen gegen
die Holzordnung gewaltsam eintreiben lassen. Die beiden Ortsvorsteher Meinolph
Henneken (Butzenkaspers) und Anton Claus (Tackenmeinolphs) wurden für 14 Tage
im Zuchthaus eingekerkert. Elf Kühe und viele Brau- und Kochtöpfe wurden den
Leuten gepfändet und in Wünnenberg meistbietend versteigert. Wenn die Eigentümer
sie nicht zurückkaufen konnten, waren die Frauen nicht einmal mehr in der Lage,
ihrer Familie über dem Herdfeuer eine warme Mahlzeit kochen. Gegen die
Holzordnung von 1669 wurde von der Gemeinde Fürstenberg ein langwieriger und
teurer Prozess geführt, der bis vor das Reichskammergericht zu Wetzlar kam. Da
eine Entscheidung von dort in absehbarer Zeit aber nicht zu erwarten war, trat
die Gemeinde im Dezember 1790 in Vergleichsverhandlungen ein, die mit dem
Vertrag von 1796 endeten. Nach dem Abschluss des Vertrags lud der Graf die
Dorfbewohner auf den Gutshof ein. Dort wurde mit einem kräftigen Umtrunk auf
seine Kosten gefeiert. Doch als die Fürstenberger wieder nüchtern waren,
beschlich viele das Gefühl, erneut mit Akten und Vertragspapieren hereingelegt
worden zu sein. Die preußische
Herrschaft von 1802 bis 1806 hatte an den überkommenen Rechtsverhältnissen und
Abgabeordnungen des Fürstbistums nichts verändert. Erst das französische Königreich
Westphalen hob mit Dekret von 1808 die Leibeigenschaft auf. Die Gemeinde Fürstenberg
forderte 1812 die Ablösung des Zehnten, der den Bauern als eine große Last
erschien. Sie waren seit langem zu der Auffassung gekommen, ihr an sich schon
hartes Joch würde sich mit jedem Tag vergrößern. Das Ende der französischen
Herrschaft verhinderte jedoch eine einvernehmliche Regelung zwischen dem
Grundherrn und den Bauern. Mit der Rückkehr
der Preußen und der Restauration der alten Herrschaftsverhältnisse verstärkte
sich der Druck des gräflichen Zehntpächters Kamlah auf die abgabenpflichtigen
Bauern. Diese hatten offensichtlich in der Hoffnung auf die Ablösung die
Eintreibung des Zehnten nur noch selten ermöglicht. Der Zehntpächter
verlangte nun, dass das Getreide 24 Stunden vor dem Einscheuern ihm angezeigt
werden sollte. So konnten seine Zehnteinsammler ihren Teil vom Feld holen, wenn
noch nichts von der Ernte abgefahren worden war. Die Bauern erkannten diese
Zehntordnung jedoch nicht an. Weil es von jeher so üblich gewesen war, ließen
sie jede zehnte Garbe auf ihren Feldern liegen. Und das war nicht gerade die
beste. Der Zehntherr
führte daher verschiedene Prozesse gegen diesen „Frevel“ und versuchte,
seine Forderung mit Polizeigewalt durchzusetzen. Derweil verfaulten die Garben
auf den Feldern, während der Pächter entweder Geldzahlungen verlangte oder
sich die Bunde mit Gewalt von den Hausböden holte, wenn nicht gezahlt werden
konnte. Ein am 20.6.1819 veröffentlichter Anschlag, der besagte, dass niemand
berechtigt sei, den Zehnten vom Lande abzufahren und zwar weder bei Getreide,
Futterkräutern oder Flachs, führte zu einer offenen Rebellion. Als die
Zehntsammler während der Ernte die Kartoffeln abholen wollten, kam es zu einem
Tumult der Frauen. Sie bewarfen den Gendarmen und die Sammler so heftig mit
Steinen und Erdklumpen, dass diese nur noch die Flucht ergreifen konnten. Nach
ihrem unerwarteten Erfolg versammelte sich eine Menge von hundert Leuten vor dem
Haus des Ortsbeamten und verlangte, dass er sich an die Spitze ihrer Aktion
stellen solle. Da dieser jedoch, durch seine langjährige Erfahrung klug genug,
zur Mäßigung aufrief, wurde der Polizeidiener aufgefordert, ihn abzusetzen. Der Anführer
der Revolte, Johannes Harding, konnte sich mit seinen Forderungen jedoch nicht
durchsetzen. Der Zehntpächter klagte dagegen weiterhin erfolgreich seine Rechte
ein. Der Rädelsführer der Unruhen verlor seinen Hof, und die Not der Bauern
wurde noch größer. Zehntablösung Als 1841 Graf
von Westphalen erneut die Ablösung der gutsherrlichen Abgaben beantragte und
ein bestimmtes Kapital verlangte, gerieten die Gemeindeverordneten in Zugzwang.
Zu diesem Zeitpunkt war jedem klar, dass die Zehntablösung seit langem überfällig
war. Es galt allein, sich über die Kapitalermittlung einig zu werden. Hierfür
kamen die Getreidepreise der Jahre 1811 bis 1840 als Berechnungsgrundlage in
Betracht. Doch genau an
diesem Punkt begannen die Meinungsverschiedenheiten. Denn je nach den erzielten
Ernteergebnissen eines Jahres war der Preis des Brotgetreides großen
Schwankungen unterworfen und aus der Sicht der Bauern für die Festlegung eines
Normalpreises wenig geeignet. Jahre geringer Ernte gingen mit hohen Preisen
einher, die von den Erzeugern aber nicht genutzt werden konnten, da sie Getreide
zum Verkauf nicht übrig hatten. Wenn in guten Erntejahren Getreide verkauft
werden konnte, erzielte der Bauer bei den dann niedrigen Preisen nur geringe
Geldgewinne. Aus seiner Sicht musste der Ablösewert folglich immer zu hoch
festgelegt sein. Auf eine gute Ernte konnte ein Bauer inständig hoffen, an Geld
aber war stets Mangel, nicht nur bei den „Kleinen Leuten“. Um bei der
hohen Privatverschuldung der bäuerlichen Betriebe eine Abfindung überhaupt möglich
zu machen, war 1836 die staatliche Tilgungskasse eingerichtet worden. Die Ablösung
erfolgte durch Schuldverschreibungen der Tilgungskasse, aus denen der
berechtigte Zehntinhaber seine Kapitalabfindung erhielt. Die zehntpflichtigen
Bauern hatten durch jährliche Zahlungen an die Kasse das Ablösekapital zu
tilgen. Diesmal kam
es zu einer Einigung zwischen Graf von Westphalen und der Gemeinde. Die jährliche
Rente für den Zehnten betrug 988 Taler. Sie verteilte sich auf die einzelnen
Grundstücke gemessen nach dem Reinertrag. Auch das Ablösekapital für den
Naturalzehnten an Hühnern und Eiern wurde in eine alljährlich an die
Paderborner Tilgungskasse zu zahlende Rente verwandelt. Damit war das sich über
30 Jahre hinschleppende Verfahren zur Ablösung der Abgaben und Dienste endlich
abgeschlossen. Doch zufrieden war die Gemeinde mit dem Ergebnis nicht. Hungerjahre Durch die
Zehntablösung waren den Bauern noch härtere Geldlasten aufgebürdet worden,
als sie bisher schon zu tragen hatten. Das wurde insbesondere dann deutlich,
wenn die Ernten schlecht waren. Früher war dann die Zehntabgabe entsprechend
geringer. Jetzt aber blieben die Geldlasten gleich. Gerade in den fünf
Hungerjahren vor 1848 bekamen die Menschen das schmerzlich zu spüren. Zuerst wurde
das Vieh von der Maul- und Klauenseuche befallen. Die Schafe und Schweine kränkelten
und entwickelten sich schlecht. Die Milch der Kühe war nicht zu gebrauchen und
musste an das Vieh verfüttert werden. Im folgenden Jahr vernichteten die Mäuse
das Wintergetreide fast völlig. Das nachgesäte Sommergetreide verdarb anschließend
großenteils durch die anhaltend nasse Witterung. Das Stroh verfaulte auf den
Feldern. Auch die Kartoffeln gerieten schlecht. Das Jahr 1845
begann endlich wieder einmal vielversprechend. Der Winter war streng gewesen und
hatte das Ungeziefer dezimiert. Im Frühling und Sommer standen alle Früchte üppig
auf den Feldern. Sie versprachen den Bauern eine reiche Ernte. Doch Anfang
August, als jeder die Hitze der Hundstage zur Reife des Getreides erwartete,
begann es anhaltend zu regnen. Zunächst blieb es noch warm, doch dann wurde es
empfindlich kalt. Begünstigt durch die feuchte Witterung verbreitete sich eine
bis dahin unbekannte Kartoffelkrankheit. Zuerst traten am Kartoffelkraut
schwarze Flecken auf, die sich immer weiterfraßen und zuletzt auch die Knolle
angriffen. Es wurden allerlei Versuche gemacht, die unheimliche Krankheit der
Pflanzen zu stoppen. Die Bauern schnitten das Laub ab, um wenigstens die Knolle
im Boden zu retten. Vergeblich! Die Kartoffeln waren ungenießbar. Das gerade für
die armen Tagelöhner wichtigste Nahrungs-mittel war bald völlig verdorben. Die
Gemeinde und der Graf von Westphalen mussten dafür sorgen, dass die Ackersleute
wenigstens Pflanzkartoffeln für das nächste Jahr erhielten. Ein
lieblicher Frühling 1846 ließ die hungernden Menschen wieder Hoffnung schöpfen.
Allein eine fast fünf Monate andauernde Trockenheit, die von sengender
Sommerhitze begleitet war, ließ das Korn des Getreides verkümmern. Das
Rauhfutter für das Vieh verschwand von den Feldern und die Kartoffeln
erkrankten erneut an der Krautfäule. Das Jahr endete mit einer allgemeinen
Missernte. Der Zukauf von Brotgetreide war den armen Leuten unmöglich, da die
Kornpreise enorm angestiegen waren. 1847 nennt
der Chronist der Gemeinde „in Wahrheit ein Notjahr“. Der Roggenpreis
verdoppelte sich; er stieg zur Saatzeit gar auf das Dreifache an. Besonders die
„Kleinen“ Ackersleute und Tagelöhner hatten unter dem Hunger zu leiden. Der
Pächter des gräflichen Guts spendete aus christlicher Nächstenliebe täglich
an 50 bis 60 arme Einwohner, vor allem Kinder, eine Mahlzeit um die größte Not
zu lindern. Der Graf von Westphalen überließ den Leuten 100 Scheffel Korn und
Kartoffeln zu einem mäßigen Preis. Die Armen erhielten die Früchte sogar vorläufig
unentgeltlich. Die
Verschuldung der Bauern und „Kleinen“ Leute hatte in den Jahren seit der
Zinsablösung ein fast unerträgliches Maß erreicht. Deshalb ließen die
Nachrichten von den Volksaufständen in Paris Ende Februar des Jahres 1848 und
den Barrikadenkämpfen in Berlin am 18. März auch die Landbevölkerung auf
grundlegende Umwälzungen hoffen. Wie überall in Westfalen verbreiteten sich
auch in Fürstenberg die Aufregung und der Ruf nach Freiheit. Insbesondere gegen
den Forstmeister richtete sich die Volkswut. Revolution Schon den
ganzen Winter über rumorte es im Dorf. Abends wurde in den Gasthäusern bei
Heisings und Kriegers auf dem Klimberg heftig diskutiert und lange gestritten,
wie der Nachtwächter schon argwöhnisch beobachtet hatte. Besonders genaue
Nachrichten über die in ganz Europa von Sizilien bis Polen gärende revolutionäre
Stimmung gegen die herrschende Obrigkeit konnten die Leute erhalten, wenn sie
zum Dorfbäcker und Gastwirt Konrad Ernesti gingen. Sein Haus stand am
Futterweg, heute Liboriweg 4. Ernestis Sohn
hatte mit einem sehr guten Zeugnis auf Empfehlung seines Lehrers Ising das
Gymnasium in Paderborn besuchen dürfen. Dort war er in geheimen und öffentlichen
Versammlungen mit den liberalen Ideen des Franz Löher in Berührung gekommen.
Wenn Konrad Ernesti aus der Stadt nach Fürstenberg kam, versammelten sich
besonders viele Männer in der engen Gaststube seines Vaters. Konrad brachte die
neuesten Nachrichten mit und erklärte den Bauernburschen, Knechten und Tagelöhnern,
wie die Zeiten sich ändern müssten: Alle Menschen
sollten gleiche politische Rechte haben ohne Unterschied des Glaubens, Standes
oder Vermögens. Alle sollten
sich frei versammeln dürfen, ohne dass der Polizeidiener Einhalt gebieten
konnte. Das Dorf
sollte in seinen Angelegenheiten selbst entscheiden, ohne den Grafen fragen zu müssen. Steuern und
Abgaben sollten auf arm und reich gerecht verteilt werden. Jeder Bürger
sollte das Amt eines Gemeindeverordneten bekleiden dürfen. Die Geldrente
aus der Zehntablösung sollte in die Gemeindekasse fließen und nicht in die
Taschen des Grafen. Für seine
Forderungen konnte Ernesti gute Beispiele nennen, denn bisher wurden alle
Gemeindeangelegenheiten nur von einer kleinen Clique bestimmt. Da gab es die
Gebrüder Langheld, die in Diensten des Grafen und des preußischen Staates
standen. Der Pastor Batsche war vom Grafen in sein Amt geholt worden. Er und sein schon
auf die Amtsübernahme wartender Neffe bestimmten in allen
Kirchenangelegenheiten. Eine Nichte des Pastors war mit dem Ortsvorsteher Thiele
verheiratet worden. Der gräfliche Rentmeister Wiechen war wiederum mit den
Batsches und den Langhelds verschwägert. Dazu kamen Verbindungen zu einigen größeren
Bauern wie dem Steuereinnehmer Wiedemeyer. Diese Herren steckten alle unter
einer Decke und arbeiteten für den Grafen aber gegen das Dorf. 23. März In der Nacht
vom 23. auf den 24. März 1848 begannen die Fürstenberger Unruhen mit einem
Drohangriff gegen die Wohnung des Forstmeisters Langheld auf dem Wasserplatz.
Mehrere junge Burschen zogen randalierend um das Haus, veranstalteten eine
„Katzenmusik“ und trommelten mit den Fäusten gegen die Türen und Fensterläden.
Auf der Miststätte an der Scheune des Forstamtes wurde Feuer gelegt, das
allerdings vom Nachtwächter Xaver Schewe und dem Josef Schiller, genannt
Werners, gelöscht werden konnte. Es sollte dem Forstmeister eine ernste Warnung
sein. 24. März Am 24. März,
es war ein Freitag, verschaffte sich eine große Anzahl von Einwohnern Zutritt
zu einer Sitzung der Gemeindeverordneten beim Ortsvorsteher Thiele in der
Pickelstraße. Sein Haus stand im Garten zwischen Nr. 27 und 31.) Ernesti hatte
den Vorsteher gezwungen, die Sitzung erstmals öffentlich zu halten. Seine dort
vorgetragenen Beschwerdepunkte über die Schmälerung der bäuerlichen Rechte
besonders beim Holz und bei der Nutzung der Waldweide hatten die versammelten
Einwohner lautstark bekräftigt. Sie waren vor allem ärgerlich über den gräflichen
Forstmeister und seine Gehilfen. Da diese nach einer einträglichen
Holzwirtschaft strebten, versuchten sie, die übrigen Waldnutzer immer mehr aus
ihrem Revier zu drängen. Die Versammlung dauerte mehrere Stunden. Danach gingen
alle nach Haus, und es herrschte zunächst äußerlich Ruhe bis zur Nacht. Nach Einbruch
der Dunkelheit zog eine Rotte junger Burschen erneut los, um dem Forstmeister
abermals ein „Ständchen“ zu bringen. Sie rissen Latten vom Gartenzaun los
und schlugen damit gegen die Fensterläden. Der Forstmeister Dr. Josef Langheld
hatte schon vorher, als er die Burschen den Planken herunter kommen hörte, mit
seiner Frau und den vier Kindern das Amtshaus verlassen und sich in den Wald des
Antenberges geflüchtet. Nachdem die Familie hier in unbeschreiblicher Angst die
Zeit von 8 bis 12 Uhr abwartend zugebracht hatte, konnte der Forstmeister um
Mitternacht endlich die Kutsche anspannen und nach Marsberg ins Elternhaus
seiner Frau fliehen. In derselben
Nacht flüchteten auch die Brüder des Forstmeisters, der Amtmann Heinrich
Langheld und der Ökonom Georg Langheld. „Letzterer machte sich in seinem wie
gewöhnlich zerlumpten Anzuge in Holzschuhen auf einem Pferde davon“, wie der
Pastor Batsche in seinen Notizen festgehalten hat. 25. März Am Samstag,
dem 25. März, kam morgens der von seinem Rentmeister Wiechen alarmierte Graf
von seinem Wohnsitz Laer bei Meschede nach Fürstenberg herüber. Der Graf ließ
der Gemeinde durch den Pastor Batsche von der Kanzel verkünden, sie möchte
sich nach dem Ende des vormittägigen Gottesdienstes vor dem Schlosse
versammeln, wo er ihre Wünsche anhören und, wenn sie billig, auch erfüllen würde. Sehr viele
Gemeindemitglieder versammelten sich darauf, das Versprechen des Grafen im Ohr,
zunächst im Hause des Vorstehers Thiele. Der die Gerichtsakten führende Kaspar
Anton Brunnstein, den die preußische Regierung drei Jahre nach diesen
Ereignissen in die Stelle des wegen Unfähigkeit vom Dienst suspendierten
Amtmanns Heinrich Langheld berief, in der er für mehr als 3 Jahrzehnte als
hochgeachteter, äußerst fähiger Amtmann zu Fürstenberg wirkte, Brunnstein
brachte die Beschwerden und Forderungen der Leute in die Form einer Petition von
38 Punkten. Unter Nr. 34
hieß es: „Da die Gemeinde Fürstenberg der Meinung ist, dass sie bei der Ablösung
im Jahre 1841 die gutsherrliche Berechtigung des Herrn Grafen von Westphalen sehr
hoch abgelöst hat, so stellt sie an denselben den ganz ergebenen Antrag,
Hochderselbe möge geruhen, einen Teil des erhobenen Rentenkapitals der Gemeinde
zuzuwenden, damit auf diese Weise dieselbe in den Stand kommt, die einzelnen
Renten herabzudrücken und ihre Lage zu erleichtern.“ Zu diesem
Antrag fand sich an der Seite der Zusatz: „Ex post unter großem Tumulte dahin
deklariert, dass die Ablösung von Neuem vorgenommen und nach den gleichen
Grundsätzen verfahren werden soll, nach denen der Zehnte auf den staatlichen Gütern
abgelöst worden ist.“ Endlich bat die Gemeinde unter Nr. 36 um Nachlass aller
Rückstände, welche aus den gutsherrlichen Ansprüchen für Heuern, Zehnten,
Zinsen usw. noch zu zahlen waren. Als Verhandlungsführer wurden zunächst wohl
allein die beiden Schankwirte Caspar Heising, Forstenburgstr. 20, und Ferdinand
Bremenkamp, Poststr. 1, zum Schloss geschickt. Sie übergaben die aufgestellte
Petition dem Grafen in seinem Arbeitszimmer. Als die
kleine Delegation mit der Nachricht zurückgekehrt war, der Graf wolle alles
erst genauer prüfen und dann eine Entscheidung bekannt geben, entschloss sich
nachmittags gegen 4 Uhr die ganze versammelte Gemeinde - der Ortsvorsteher gab
ihre Anzahl später mit 300 an -, zum Grafen vor das Schloss zu ziehen; vorneweg
ein Mann mit einer weißen Fahne, auf der groß die Buchstaben F und G für
Freiheit und Gleichheit geschrieben standen. Das Leinentuch hatte zu diesem
Zweck der Kaufmann Meyer Dannenbaum herausrücken müssen. Beim Schloss
angekommen wurde der Graf gebeten, herauszutreten und sich zu erklären. Als er
von der Schlosstreppe herab verkündete, er würde nur das bewilligen, was
rechtens sei, er lasse sich nichts abzwingen, verlangte die Versammlung
ultimativ ein Resultat binnen 24 Stunden. Einige Stimmen aus der Versammlung
klangen bald drohend. Sie schimpften besonders grob auf den gräflichen Förster
Arnold Rothe, der ihnen nur schlechtes Holz anweise. Das wolle man sich nicht
mehr gefallen lassen. Es müsse besser werden. Graf Clemens
August von Westphalen entgegnete darauf: „Einem geschenkten Gaul schaut man
nicht ins Maul.“ Das war zu
viel! Hier wurde nichts verschenkt! Seit alters her beriefen sich die Fürstenberger
auf ihre Gleichberechtigung mit den Adeligen in der Nutzung des Holzes. Jedem
Kind war der Grundsatz bekannt: „Wir dürfen das Holz, den Wald, das Wasser
und die Weiden frei gebrauchen ebenso wie der Graf.“ So stand es schon in der
Gründungsurkunde der Freiheit Fürstenberg. Um diese verbrieften aber immer
wieder in Frage gestellten Rechte hatten bereits die Vorväter gekämpft. Die
Rede wurde sogar vom Pastor, der eigentlich auf Seiten des Grafen stand, als
nicht zeitgemäß und unklug erkannt. Sie musste die Wut der Dorfbewohner, die
nur ihre überlieferten Rechte einforderten, noch steigern. Ludger von
Westphalen, ein Enkel des „Alten Herrn“ bewertete in einer
Lebensbeschreibung des Grafen diese Äußerung allerdings als ein provozierendes
Wort, „das gewiss den Volkszorn zum Kochen gebracht haben müsste, wenn er es
gesagt hätte“. Der Graf hatte es gesagt, wie das Gericht später zweifelsfrei
feststellte. Und das
unbedachte Wort hatte Folgen. Sofort drängte die aufgebrachte Menge die
Schlosstreppe hinauf. Der Graf zog sich mit seinem Rentmeister in die
Schlosshalle zurück und verriegelte die schwere Tür hinter sich. Wiechen riet
dem Grafen, er möge trotz der bedrohlichen Situation zunächst abwarten, ob
wieder Ruhe eintrete, und dann weitere Erkundigungen über die Ernsthaftigkeit
der Forderungen einholen. Der Graf war einverstanden. Doch noch während der
Unterredung trat der Gutspächter Zöppritz ein und berichtete besorgt, dass die
Erregung der Leute auf das höchste gestiegen sei. Der Graf solle auf jeden Fall
sein Pferd bereithalten, um jeden Augenblick die Flucht ergreifen zu können.
Doch der wartete zunächst noch ab. Nachts um 10
Uhr zog eine „Rotte betrunkener Lümmel“ (Notiz des Pastors Batsche) zum
Schloss und schlug „unter entsetzlichem Geheul und Gebrüll“ mit langen
Holzlatten einige Fenster der unteren Etage ein. Desgleichen taten die Burschen
anschließend beim Amtmann Zöppritz, beim Amtmann Langheld und beim
Forstmeister. Auch dem
Kaufmann und Postexpedienten Heinrich Metzler - ein Neffe des Forstmeisters, -
dem Steuereinnehmer Xaver Wiedemeier und dem Kreisrichter Konrad Seiler wurden
die Fensterscheiben eingeschlagen. Bei Wiedemeier soll es der eigene Knecht
gewesen sein, weil ihn der Bauer zu herrisch behandelt hatte. Den jüdischen
Händlern Meyer Dannenbaum, Salomon und Levi Siebenborn und Salomon Schutz
pressten die Randalierer Schnaps und Esswaren ab. Dem Meyer Dannenbaum
demolierte man dabei die Wohnung. Die nächtlichen
Unruhen dauerten bis gegen 2 Uhr morgens. Als es endlich ruhig wurde, verließ
der Graf heimlich das Schloss, bestieg sein Pferd, das auf dem Wasserplatz bei
seinem Schmied Johannes Bielefeld fertig gesattelt stand, und flüchtete über
den Hassel Richtung Alme. Dort sah man ihn am frühen Morgen eiligst in Richtung
Scharfenberg und Meschede durchreiten. „Er kam mit bloßem Kopfe durch Alme
geritten“, schrieb der dortige Schulmeister in seine Chronik. Auch einige
andere Herren gerieten in Panik und verließen fluchtartig das Dorf. Der Amtmann
Zöppritz packte seine besten Habseligkeiten und seine Familie auf zwei Wagen
und zog nach Paderborn. Der Gerichtsaktuar Friedhoff und der Kaufmann Metzler
machten sich ebenfalls „aus dem Staube“, so der Pastor in seinen Notizen.
Die Aufregung unter „Einzelnen“ in der Gemeinde war sehr groß. Diese
benutzten alles, besonders aber die Worte des Grafen vom geschenkten Gaul, um
alle „Bessergesinnten“ aufzuwiegeln. 26. März Am Sonntag,
den 26. März, versammelte sich die Menge gleich nach Mittag wieder beim
Ortsvorsteher Thiele, um die für diesen Tag versprochene Antwort des Grafen zu
verlangen. Als der Vorsteher den Leuten sagte, dieser sei abgereist, fand er
keinen Glauben. Gegen 2 Uhr nachmittags hatten sich 200 Bewohner der Gemeinde
vor dem Schloss versammelt, weil der Graf sie wiederbestellt habe. Es hatte sich
das Gerücht sich verbreitet, er befinde sich doch noch dort und halte sich nur
versteckt. Der Pastor
konnte die aufgebrachte Menge noch einmal beruhigen. Sie verlangte jedoch
energisch, wenn der Graf nicht mehr anwesend sei, wolle man seinen Rentmeister
Wiechen sprechen. Wiechen und der Registrator Brunnstein sollten den Graf
Westphalen nochmals schriftlich zu einer Antwort herausfordern. Bei neun
Wegestunden nach Laer für einen berittenen Boten sei innerhalb 24 Stunden eine
Antwort zu erhalten. Wenn nicht, ginge alles drunter und drüber. Einer der
Wortführer, Franz Tonsor, erklärte, bisher sei im Dorf die Meinung verbreitet
gewesen, die Bedrückung ginge nur vom Forstmeister aus; jetzt sähe man aber,
dass der Graf selbst der Schuft und Halunke sei. Es wurde noch
einmal das Recht der Fürstenberger beschworen und vereinbart, dass Wiechen dem
Grafen unverzüglich berichte. Danach zerstreute sich die Menge. Denn gegen 4½
Uhr nachmittags riefen die Glocken der Kirche zum Gottesdienst. Bald darauf
jedoch ist von einzelnen beim Schloss zurückgebliebenen Burschen die Tür auf
der Nordseite gewaltsam geöffnet worden. Die Kronleuchter, Spiegel und Möbel
in den gräflichen Zimmern wurden zerschlagen. Ein anderer Trupp zog zum Gut,
ließ sich dort mit Schnaps versorgen und räumte die Speisekammer aus. Ein Fässchen
Korn nahmen die Burschen mit in den Schlosspark, wo ausgiebig gezecht wurde. Zu
diesem Zechgelage fanden sich immer mehr Leute ein, Männer wie Frauen. Man
machte durch bis in die späte Nacht. Nach dem
Gottesdienst veranlasste der Kreisrichter Seiler den Vorsteher Thiele, eine
Sicherheitswache zu bilden, die auch abends gegen 7 Uhr mit zunächst 55 Mann in
drei Abteilungen aufzog und durch das Dorf patrouillierte. Gegen neun waren es
sogar 157 Mann. Es zeigte sich aber bald, wie wenig diese Wache willens oder in
der Lage war, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Gegen 10 Uhr wurden die Fenster
und Fensterläden am gräflichen Kornhaus neben der Kirche zertrümmert.
Anschließend gingen am benachbarten Gerichtshaus offenbar unter den Augen der
Sicherheitswache einige Scheiben zu Bruch. Gegen 10 oder
11 Uhr drangen einige betrunkene Burschen in das gräfliche Archiv ein, das sie
mit langer und großer Anstrengung geöffnet hatten. Sie durchstöberten die
gesicherten Schränke. Besonders suchten sie nach den Prozessakten des
Reichskammergerichts, weil das Urteil zu den Holzrechten damals für die
Gemeinde günstig ausgegangen sein sollte. So jedenfalls gingen seit Jahrzehnten
die Gerüchte. Der Graf habe den Fürstenbergern das Urteil des Gerichts
verschwiegen und sie mit dem Vergleichsvertrag von 1796 betrogen. Da die
Eindringlinge das Gesuchte nicht fanden, warfen sie die verhassten Akten und
Hypothekenscheine aus dem Fenster, um sie zu verbrennen. Es wurden von der
Sicherheitswache jedenfalls zuerst außen an der Südseite des Archivgebäudes
zwei Feuer bemerkt. Sie wagte es jedoch nicht, weiter in den Schlossgarten
einzudringen, weil sie von den Burschen energisch zurückgewiesen wurde. Nachdem die
„Lagerfeuer“ draußen einige Zeit gebrannt hatten, schlugen plötzlich auch
im Innern des Archivs die Flammen hoch, das bald lichterloh brannte. Um
Mitternacht wurde vom Ortsvorsteher die Feuerglocke gezogen und die Brandspritze
herbeigeschafft. Ein Verbindungsschuppen zum Gut wurde eingerissen, um ein Übergreifen
des Brandes auf weitere Gebäude zu verhindern. Gelöscht wurde jedoch nicht.
Nachdem das Dach der Bibliothek eingestürzt war, brannte das Feuer innerhalb
der Mauern „ruhig zu Ende“, wie das Gericht später feststellen konnte. Im Schloss
herrschte die ganze Zeit über großer Lärm, als wenn alles entzweigeschlagen würde.
Aus einem Fenster der oberen Etage wurden Leinen-, Tisch- und Bettzeug
hinausgeworfen. Dabei machte man sich laut über die ehemaligen gräflichen
Rentmeister Memering und Pelizaeus lustig. Unten standen andere, die alles
auffingen und wegtrugen. Schlösser an Türen und Schränken wurden
aufgebrochen. Wertvolles Porzellan zersprang, was ganz blieb, wurde
weggeschleppt. Das Innere des Schlosses wurde gänzlich demoliert. Sofas und
Kanapees wurden aufgeschnitten und völlig ruiniert. Sogar die Tapeten und
Borden wurden von den Wänden gerissen. 27. März Am Montag,
27. März, herrschte zunächst Ruhe und das, obwohl inzwischen das ablehnende
Antwortschreiben des Grafen eingetroffen war. Nur die Zerstörungen im Schloss
dauerten weiter an. Die Plünderungen dort gingen noch einige Tage weiter.
Nachmittags wurde auch der gräfliche Kornboden geplündert, auf dem circa 500
Scheffel Roggen lagen. Dabei gab es große Aufregung, als die Menge sich um die
Anteile der Beute stritt. Des Nachts jedoch blieb es ruhig. Der Landrat
Joseph Graf Stolberg zu Westheim, der sich durch die nach Marsberg geflüchteten
gräflichen Beamten von den Vorfällen hatte berichten lassen, ließ mittags um
12 Uhr dem Oberpräsidenten zu Münster eine weitere Eildepesche zukommen, in
der er dringend den Einsatz von Militär für den am meisten bedrängten Ort Fürstenberg
forderte: Dort müssten inzwischen auch die großen Bauern um ihr Eigentum fürchten.
Selbst die sonst geachtete Geistlichkeit sei verhöhnt worden, als sie die Bevölkerung
zur Ruhe aufforderte. Das Ansehen und die Gewalt der Polizeibehörden hätten
aufgehört, wirksam zu sein. 28. März Am Dienstag,
28. März, trat die Sicherheitswache schon ernstlicher auf. Als man hörte, dass
die Leute aus Essentho aus dem Fürstenberger Wald das aufgemalterte Brennholz
abführen, eilten an die 100 Mann nach Wohlbedacht, um die Diebstähle zu
verhindern. Die mit Knüppeln bewaffnete Truppe konnte tatsächlich die
Holzdiebe aus dem Nachbardorf in die Flucht schlagen. Nach vollbrachter Tat
forderten die Helden dann von der Haushälterin in Wohlbedacht ein ordentliches
Stück Schinken und einen guten Schluck, um für den Rückmarsch gestärkt zu
sein. Derweil warteten die Essenthoer in sicherer Entfernung, um nach dem Abzug
der Fürstenberger weiter deren Brennholz abzufahren. Diese Vorgänge
deutete der Landrat von Stolberg in der allgemeinen Verwirrung allerdings völlig
anders. Er sah einen Angriff aus Fürstenberg auf die gräflichen Güter, zu dem
die Leute aus Essentho von der Höhe aus Beifall spendeten. Er befürchtete das
Schlimmste, wenn sich die Bewohner beider Dörfer zusammenrotten würden.
Deshalb forderte er noch einmal dringendst den Einsatz von Militär. Im Dorf zogen
viele Burschen immer noch betrunken durch die Straßen und stießen auch wieder
Drohungen vor dem Haus des Pastors aus. Bei anderen regte sich allmählich aber
das schlechte Gewissen über die Taten. Bei ihnen war der Traum von Freiheit und
Gleichheit schon verflogen. Als zudem bekannt wurde, dass die Geistlichkeit die
Kirche schließen und wie die Herren ebenfalls Fürstenberg verlassen wolle,
sofern nicht bald wieder Ruhe und Ordnung eintrete, da schlug die Stimmung bald
ganz um. Auch das Gerücht, es werde bald Militär kommen und die Unruhestifter
in Stricke gebunden wegschleppen, verfehlte seine Wirkung nicht. 29./30. März Am Mittwoch
und Donnerstag blieb es dann ruhig. Nur vereinzelt wurde noch im Schloss nach
Brauchbarem gesucht. Im Garten des Pastors fanden sich einige Stoffballen
Leinen, die über die Mauer geworfen worden waren. Besorgte Frauen wollten sich
offenbar noch rechtzeitig von dem geraubten Gut trennen. Man befürchtete
Schlimmes. Und so kam es. 31. März Am Freitag,
dem 31. März, ritt morgens um 10 Uhr der Landrat von Stolberg ins Dorf. Ihm
folgten bald 175 Soldaten der preußischen Armee: 150 Infanteristen vom
Landwehrregiment aus Paderborn und 25 Reiter vom 6. Königlichen Ulanenregiment
aus Neuhaus. 100 Mann
umzingelten das Dorf. Sie besetzten zuerst alle Ein- und Ausgänge. Die Reiter
sicherten die umliegenden Höhen, um jede Flucht aus dem Dorf zu verhindern. Die
übrigen Soldaten rückten in den Schlossgarten ein, wo der Landrat das
vorbereitete Verzeichnis der bei ihm verdächtigten „Tumultuanten“ hervorzog
und teils dem Vorsteher Thiele, teils dem Gendarmen Knuth, dem Polizeidiener
Lippe und dem Amtsboten übergab, um die angezeigten Männer mit einer Abteilung
von je 6 Soldaten in Stricke zu binden und aus ihren Häusern zu holen.
Innerhalb von zwei Stunden waren 46 Männer auf diese Weise verhaftet. Sie
wurden nun aneinander um den Hals gefesselt, auf zwei Ackerwagen verfrachtet und
nach Paderborn ins Zuchthaus transportiert. Einigen gelang allerdings
rechtzeitig die Flucht durch die Gärten und Kämpe des Hahnenberg in den nahen
Wald des Antenberges. 1. April Eine vom
Oberlandesgericht zwei Tage vorher eingesetzte Tumultkommission kam aus
Paderborn und quartierte sich am Samstag im Dorf ein, um sich mit den ungehörigen
Vorfällen zu befassen. Für viele Einwohner Fürstenbergs begannen die Mühlen
der Justiz langsam aber unerbittlich zu mahlen. Sofort wurden weitere
Verhaftungen vorgenommen und 130 Personen wegen der Beteiligung an
Brandstiftung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Erpressung verhört. Die
langwierigen Untersuchungen konnten nicht vor dem September abgeschlossen
werden. Dann erst durfte die Verteidigung der Angeschuldigten zu den erhobenen
Vorwürfen Stellung nehmen. Strafgericht Am 21. Mai
1849 lagen die Akten dann endlich dem Gericht zum Spruch vor. Das Königlichen
Kreisgericht zu Paderborn ließ sich noch einmal bis zum Jahresende Zeit. An
neun Sitzungstagen, die vom 27. Dezember 1849 bis zum 25. Januar 1850 dauerten,
mussten sich nach Aktenlage 116 Fürstenberger vor den Richtern verantworten. 37
Angeklagte wurden wegen Diebstahls und 46 wegen anderer Verbrechen bestraft, 33
freigesprochen. Mehrere der
Verurteilten zogen vor die II. Instanz und legten dort Revision ein, um ein
milderes Urteil zu erwirken. Vom 19. bis 23. Mai 1851 verhandelten die Richter.
Sie erkannten den bisher rechtschaffenen Lebenswandel fast aller Angeschuldigten
an, hielten ihnen die Wirren der Zeit zu gute und schoben einen großen Teil der
Schuld auf verborgen gebliebene Anstifter. Auch die ungeeigneten Maßnahmen des
Grafen und seiner Beamten, die Menge erst zum Schloss zu rufen und dann noch
Branntwein „unter das Volk auszuteilen“, wurde von den Richtern als
mildernder Umstand gewertet. Ein politisches Verbrechen jedenfalls konnte und
sollte wohl auch nicht festgestellt werden. Ebenso wurde eine absichtliche
Brandstiftung des Archivgebäudes verneint. Die Anklage wegen Erpressung wurde
in der Revision fallengelassen, da im März 1848 Gewalt nur gegen Sachen nicht
aber gegen Personen verübt worden war. Wie hart
trotz alledem das Gesetz für die einzelnen Angeklagten blieb, zeigen zwei
Beispiele: Der damals 20 Jahre alte Zimmergeselle Johann Bunse wurde zwar von
der Anschuldigung der Brandstiftung des Archivs und der Verleitung zum Diebstahl
freigesprochen, doch für die Straftatbestände der mutwilligen Sachbeschädigung
und der Erpressung verbunden mit der Verletzung des Hausrechts beim Kaufmann
Meyer Dannenbaum erhielt Johann Bunse eine Zuchthausstrafe von drei Jahren, die
er in der Strafanstalt Münster absitzen musste. Der Wärter
und Tagelöhner Johann Scharfen, 34 Jahre alt und aus Wünnenberg gebürtig,
wurde wegen „boshafter Sachbeschädigung fremden Eigentums“ zu zweijähriger
Festungshaft verurteilt, da er noch wehrpflichtig war. Obwohl Scharfen eine Frau
und zwei kleine Kinder zu versorgen hatte, musste er die volle Strafzeit in
Minden verbüßen. Er wurde von dort erst am 11. April 1853 entlassen. Trotz der für
beide Seiten schmerzlichen Folgen - auch das gräfliche Archiv und die wertvolle
Bibliothek waren unwiederbringlich zerstört, im Schloss allein war ein
Sachschaden von 2.200 Talern entstanden -, haben diese Ereignisse das Verhältnis
zwischen der Gemeinde und dem adeligen Gutsherrn nicht nachhaltig beeinträchtigt.
Der Chronist Pastor Batsche spricht vielmehr vom Edelmut des Herrn Grafen von
Westphalen, welcher sich sogar für einzelne Verurteilte persönlich bei Seiner
Majestät dem Könige verwandt und auf die Einklage des Schadensersatzes großmütig
verzichtet habe. In einer
Einsendung an die Westfälische Zeitung lassen die Anmerkungen des Grafen
Westphalen erkennen, „wie der ‘unglückselige Fürstenberger Vorfall’ ihn
getroffen und wie ‘jene Untat’ ihm unbegreiflich geblieben ist“ zitiert
sein Enkel in der Lebensbeschreibung des Alten Herrn. Hintergründe Nach dem
Selbstverständnis der Adelsfamilie waren die im Schutz der Burg wohnenden
‘Eingesessenen’ seit jeher die Untertanen ihrer Herrschaft zu Fürstenberg
gewesen, welche die Wohltaten ihres Grundherrn dankbar entgegenzunehmen hatten. Im Bewusstsein
der Dorfbewohner dagegen war der Bundbrief von 1449, die Gründungsurkunde der
Freiheit Fürstenberg, fest verankert. Das auf Pergament geschriebene Dokument
wurde in einer verschließbaren Holztruhe seit Generationen beim
Gemeindevorsteher sorgfältig verwahrt. Darin hatten die Gebrüder Westphalen
den Siedlern „in unser freyheit
tor Forstenberg“ zugesichert: „Unde se schollen holtis, woeldis, waters unde
geweyde fryg gebruken, gelyk uns sellfs“. Diese weitgehende Aussage über die
Nutzung der Allmende hatte für die Bauern immer ihre Gültigkeit behalten, während
die Herren von Westphalen die Existenz dieser Urkunde überhaupt leugneten. Dass mehr als
nur dumpfe Wut über Benachteiligung, Unterdrückung und Ausbeutung durch den
herrschenden Adel und seine allzu willfährige Beamtenschaft hinter den
Ereignissen vom Frühjahr 1848 gestanden hatte, zeigt die Gründung des
Demokraten-Klubs vor den Volkswahlen Anfang 1849. Konrad Ernesti war Motor der
Bewegung. Etwa 60 Mitglieder schrieben sich bei diesem ersten politischen Verein
des Dorfes ein. Aus Paderborn brachte Ernesti das vom dortigen Volksverein
herausgegebene demokratische Blatt „Volksbote“ und die von Löher
herausgegebene „Westfälische Zeitung“ mit. Diese Zeitungen lagen für
jedermann in der väterlichen Gastwirtschaft aus. Auch aktuelle Flugblätter wie
„Buer paß upp!“ wurden hier unter das Volk gebracht. Jedoch auch
die kirchliche Obrigkeit, unterstützt vom katholischen Adel, blieb nicht untätig
und versuchte, die herrschenden Geistesströmungen aufzufangen und für die
eigenen Interessen zu nutzen. Sie setzte der neuen politischen Partei den
Piusverein, den Katholischen Verein Deutschlands, entgegen. Initiator dieses
Vereins war in Fürstenberg der junge Pfarrer Wilhelm Batsche, der seinem Onkel
seit 1843 vom Bischof als Helfer adjungiert war. Batsche gründete eine Sektion
des Piusvereins, bei der sich sogleich 230 Mitglieder einschrieben. Die
politische Zielsetzung dieser Partei, sie wurde die Keimzelle der
Zentrumspartei, stand den liberalen und demokratischen Bestrebungen in
Deutschland schroff ablehnend gegenüber. Soziale und politische Fragen sollten
nach kirchlichen Grundsätzen gelöst werden. Die Kirche stand für die überlieferten
Werte und war fest in der überkommenen Ordnung verhaftet. An die christliche Nächstenliebe
der Wohlhabenden appellierend hoffte der Verein, durch Mildtätigkeit und
Almosen die zunehmende Verelendung stoppen und die offenkundigen materiellen
Gegensätze zwischen den Schichten des Dorfes ausgleichen zu können. Die ausführliche
Darstellung der Ziele des Piusvereins und seine Abgrenzung gegen liberale und
sozialistische Ideen durch den Pfarrer Wilhelm Batsche in der Chronik des Jahres
1849 offenbart, dass innerhalb der Dorfgesellschaft eine intensive Diskussion
verschiedener politischer Richtungen stattgefunden haben muss. Das konservative
Bürgertum, repräsentiert durch die Geistlichkeit, den Adel und seine
Beamtenschaft, fürchtete nichts mehr als ein Zerbrechen der tradierten,
gottgewollten Ordnung. Diese Ängste gipfelten in der Frage des Chronisten:
„Oder würde vielleicht durch eine Zwangsverteilung der irdischen Güter
geholfen, wie sie von den s.g. Communisten beabsichtigt wird?“ Die Furcht vor
„Wühlerei, Aufwiegelung, Aufhetzerei und Revolution“ war im Jahresbericht
des Dorfpfarrers von Fürstenberg allgegenwärtig. Die Zeit
offener politischer Auseinandersetzungen und Aktivitäten dauerte allerdings
nicht lange an. Zwar brachten die Volkswahlen von 1849 den Demokraten im
Wahlkreis Paderborn/Büren große Erfolge, den Einfluss der katholischen
Geistlichkeit und des Adels im Dorf konnten sie jedoch nicht brechen. Im Mai
wurde in Preußen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wieder
aufgehoben und durch das Dreiklassenwahlrecht ersetzt, das der besitzenden
Klasse den größten Einfluss gab. Ein Drittel der Gemeindeverordneten in Fürstenberg
bestimmte jetzt Graf Westphalen als Besitzer des Rittergutes allein. Demokratische
Klubs waren längst wieder verboten, und die Zensur knebelte die demokratische
Presse. Katholische Vereine blieben jedoch als staatstragend geduldet. Doch auch
die Mitgliederzahl des Piusvereins war bis zum Jahr 1850 auf 101 Mitglieder
geschrumpft. Ende des nächsten Jahres schließen auch die Protokolle dieses
Vereins. Der Elan der 48er war gänzlich aufgebraucht. Wie überall
in Westfalen wanderten auch aus Fürstenberg viele Menschen nach Amerika aus, um
dort ihr Glück zu suchen und einen eigenen Hof zu erwerben. Gleich im Frühjahr
1848 entzogen sich sechs junge Leute ihrer Verhaftung durch Flucht und
nachfolgende Auswanderung nach Nordamerika. Das 15. Landwehrregiment versuchte
vergeblich der Infanteristen Kaspar Knuth, Anton Thiele, Josef Wegener und
Heinrich Jordan habhaft zu werden. Auch der Jäger Johann Loer und der
Kavallerist Franz Josef Arnoldi hatten sich rechtzeitig aus dem Staube gemacht.
In den beiden darauf folgenden Jahren wanderten noch einmal 40 Einwohner des
Dorfes aus. Eine unbekannte Zahl weiterer Auswanderer ist in den Amtsakten nicht
aufgeführt und bleibt daher im Dunkeln. Einer der
Haupträdelsführer, der Ackerbauer Franz Tonsor, ertrug bald die Enge des
Dorfes nicht mehr. Er verkaufte seine Hofstelle, auf der heute die evangelische
Kirche steht, und ging mit Frau, vier Kindern und 1.000 Talern Vermögen nach
Amerika. Dort baute er sich in Fieldon im Jersey County, Illinois, eine neue
Existenz auf. Sein Familienname ist im dortigen Telefonverzeichnis heute noch 15
mal aufgeführt. Konrad
Ernesti blieb in Deutschland. Er befreite sich aus den Zwängen seines
katholischen Glaubens und wurde Anhänger des schlesischen Priesters Johannes
Ronge, der eine freigeistige, national-kirchliche Bewegung gegründet hatte. Rückblick Welche Spuren
sind geblieben von den aufregenden Ereignissen vor 150 Jahren? Neben den sehr
detaillierten Aufzeichnungen des Pastors Wilhelm Batsche im Pfarrarchiv gibt es
noch zwei Rechnungen über die Fesselstricke für die verhafteten „Revolutionäre“
ausgestellt von Meyer Dannenbaum und vom Kaufmann Ludwig Wietfeld: Stricke, 28
Stück von 2½ Fuß Länge, 14 Stück 2 Fuß lang und 10 Stück a ein Fuß. Als
die Stricke wegen der Vielzahl der Verhaftungen ausgingen, musste man am 4.
April 1848 eine lange Pflugleine kaufen, um die Delinquenten binden zu können. Am Mauerwerk
des ehemaligen Archivs finden sich auf dem Kalkstein noch die roten Verfärbungen
vom Brand und in den Erzählungen der Leute kursieren noch heute unglaubliche
Einzelheiten über die Flucht des Grafen Clemens August von Westphalen.
Die Märzrevolution
1848 in Fürstenberg Vortrag vor dem Förderkreis für Kultur, Geschichte und Natur im Sintfeld, Fürstenberg, 22. März 1998 Benutzte
Literatur BADER, D.;
KINDL, H., 1987: Die Freiheit Fürstenberg mit einer kommentierten Übertragung
des Bundbriefs. In: STADT WÜNNENBERG (Hrsg.): Heimatbuch der Stadt Wünnenberg.
Paderborn. DECKER, R.,
1978: Quellen zur Geschichte des Hochstifts Paderborn. Paderborn. KRUS, H.-D.,
1987: Verwaltung und Rechtspflege im Raum Wünnenberg in Grundzügen und
Beispielen. In: STADT WÜNNENBERG (Hrsg.): Heimatbuch der Stadt Wünnenberg.
Paderborn. NOLTE, B.,
1984: Chronik der Commune Fürstenberg 1800-1919. Paderborn. NOLTE, B.;
NOLTE, N., 1996: Vom Adelsdorf zur Gemeinde, Fürstenberg 1800-1918. Wünnenberg. WESTPHALEN,
L. v., 1982: Aus dem Leben des Grafen Clemens August von Westphalen zu Fürstenberg
(1805-1885). Münster. Stadtarchiv Wünnenberg
A 293 Entlassene Zuchthäusler (1844 - 1876) Stadtarchiv Wünnenberg
A 654 Politica (1848 - 1849) Stadtarchiv Wünnenberg
A 711 Mitteilungen der Justizbehörde (1844 - 1868) Stadtarchiv Wünnenberg
B 1096 Klage des Grafen von Westphalen g. Gemeinde Fürstenberg (1927 - 1934) Anhang Staatsarchiv
Münster, Oberpräsidium, Akten B 684, B 693 Aus den
Briefen des Landrats Graf Stolberg an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen
in Münster die Ereignisse Fürstenberg betreffend „Büren,
den 26. März 1848, abends ½ 12 Uhr Euer
Exzellenz muss ich zu meinem größten Bedauern anzeigen, dass seit dem
Eintritte der Ereignisse Berlins auch in meinem Kreise eine höchst aufgeregte
Stimmung herrscht, welche sich schon in verschiedenen Gemeinden durch die ärgsten
Exzesse, als Demolierung von Häusern, selbst durch Angriffe auf Personen und
Eigentum, in bedrohender Weise manifestiert hat. Achtung vor dem Gesetz und vor
der polizeilichen Gewalt haben aufgehört; an ihre Stelle ist allgemeine Gärung,
fast Anarchie getreten, wogegen die Einrichtung von Bürgergarden in den Städten
des platten Landes nur wenig Schutz gewährt, während die Dörfer kaum Elemente
zur Bildung von Sicherheitsvereinen darbieten. Die Bewegung
verfolgt übrigens weniger politische als vielmehr lokale, materielle
Interessen. …In derselben Nacht (vom 25. zum 26. März) fand ein Aufruhr in Fürstenberg
statt, wobei man das Gräflich Westphälische Schloss und die Wohnung des
Amtmanns Langheld mehr oder weniger demolierte; …“ „27. März
mittags 12 Uhr Beehre ich
mich Euer Exzellenz in Verfolg meines gestrigen Berichts gehorsamst mitzuteilen,
wie sich die traurigsten Nachrichten über die betrübendsten Vorfälle im
Kreise von Stunde zu Stunde häufen. Die gröbsten Exzesse, in fortwährender
Steigerung, folgen aufeinander. In
vergangener Nacht haben in Fürstenberg rohe Banden, nachdem die Bildung einer Bürgerwehr
gescheitert war, abermals das Gräfl. Westphälische Schloss gestürmt, dasselbe
zum größten Teile zerstört, das Archivgebäude mit Gewalt erbrochen und durch
Feuer verwüstet, zwei nebenstehende Häuser aber in den Grund gerissen. Alles,
was nicht zum Bauernstande gehört, hat sich auf die Flucht begeben, der Aufruhr
verbreitet sich in der Umgegend; Marsberg ist gegenwärtig der einzig sichere
Ort, und sozusagen der Platz der Emigration. … In diesem
Augenblick schicke ich einen Expressen nach Paderborn zu Requisition von Militär
für den am meisten bedrängten Ort Fürstenberg, wo jetzt auch die großen
Bauern für ihr Eigentum die ernstesten Besorgnisse laut werden lassen. Selbst
die sonst geachtete, zur Ruhe auffordernde Geistlichkeit ist verhöhnt worden.
…“ „28. März,
abends 6 Uhr Die zum
Schluss meines Berichts vom 27. geäußerte Besorgnis, daß rohe Bauernbanden plündernd
umherziehen würden, scheint sich, wie ich Euer Exzellenz leider berichten muß,
nur zu wahr zu rechtfertigen. Soeben erhalte ich die sichere Nachricht, dass die
Fürstenberger zur Verwüstung der in einiger Entfernung vom Orte belegenen Gräflich
Westphälischen Güter ausrücken. An die 100 Mann sind bereits in Wohlbedacht,
1 Stunde von Fürstenberg, eingetroffen. Der Gutspächter hat das Vieh nach
Marsberg gerettet. Die plündernde Bande aber teilt sich bereits die Produkte.
Die Einwohner des nahen Essentho stehen auf den angrenzenden Höhen der Zerstörung
Beifall rufend. Wenn diese Volkshaufen sich vereinigen, ist noch Ärgeres zu befürchten.
…“ Bericht des
Landrats vom 18. April „…In Fürstenberg
und Lichtenau haben gerichtliche Untersuchungskommissionen wegen der
stattgefundenen Tumulte ihren Sitz genommen und gegen die Beteiligten entweder
die Erkenntnisse erlassen oder nach dem schwereren Grade des Verbrechens die
Verhandlungen dem Urteil des ordentlichen Gerichts unterbreitet. …“ Weitere
Quellen zur Flucht des Grafen von Westphalen am 26. März 1848: BRUNS, A.,
1974: Amt Thülen. Brilon. S. 49. Darin wird
die Schulchronik Alme zitiert: „Der Graf von Westphalen flüchtete und kam mit
bloßem Kopfe durch Alme geritten.“ SCHOPP/BAULMANN,
Hrsg., 1963: Das obere Sauerland im Spiegel der Geschichte. Bigge. S. 94. In Meschede
war eine Bürgerwehr von 300 Mann aufgestellt worden. Der von Fürstenberg nach
Laer geflüchtete Graf von Westphalen „erkundigte sich nach der Gesinnung der
Mescheder. Er erhielt eine beruhigende Antwort. Jeden Abend zog eine Abteilung
bewaffneter Männer von Meschede nach Laer, um einen etwaigen Überfall der
Fürstenberger,
der angedroht war, abzuwehren.“ Stadtarchiv Wünnenberg
A 572. 1863. „Das
Schloss, welches im Jahre 1848 demoliert worden, ist noch nicht vollkommen
wiederhergestellt, augenblicklich sind nur 7 Zimmer mit Öfen versehen. Es wird von
keiner Familie bewohnt. Einstweilen dient es einem unverheirateten Herrn und
Dienerschaft zum Aufenthalt. Im Souterrain sind Küche, Keller und
Bedienten-Stuben, im ersten und zweiten Stock sind 13 heizbare und 12 nicht
heizbare Stuben und Kammern, in den Mansarden zwei heizbare und vier nicht
heizbare Stuben.“ Der zweitgeborene Sohn des Alten Herrn, Joseph August von Westphalen (geb. 1831 in Münster- gest. 1894 in Dresden) lebte 1863 auf dem Schloss in Fürstenberg. Er heiratete 1864 Katharina Friedberg (1838 Petersburg- 1901 Dresden). In Fürstenberg wurden von 1865 bis 1872 vier Kinder geboren. Die jüngste Tochter Antonia Gräfin zu Stolberg-Stolberg starb 1967 im Alter von 94 Jahren in Fürstenberg. |